Schnelle Action, beeindruckende Effekte und dramatische Spannung gefällig? Dann ist Endless Ocean 2 genau das falsche Spiel. Denn Der Ruf des Meeres setzt wie der 2007 erschienene Vorgänger auf relaxte Atmosphäre, entspannende Unterwasser-Erkundungen und die Entdeckung der Langsamkeit.

Die Meinungen zum ersten Endless Ocean waren sehr gemischt. Lob gab es unter anderem für das ungewöhnliche Szenario. Die Ziellosigkeit der Unterwasser-Tauch-Simulation sorgte hingegen für Kritik. Kein Wunder, dass die Entwickler hier nachgebessert haben: Der zweite Teil hat eine durchgängige, umfangreichere Geschichte und zahlreiche Nebenstränge abseits der Hauptstory. Und es ist meist offensichtlich, was als Nächstes zu tun ist. Dem Spieler steht es allerdings offen, ob er sich dieser Aufgaben annimmt: Wer mag, verbringt die Zeit einfach damit, ziellos durch die Tiefen des Meeres zu gleiten und diverse Tiere bei ihren Beschäftigungen zu beobachten.

Für Abwechslung sorgen zunächst die unterschiedlichen Orte. Getaucht wird in der Arktis, in der Ägäis oder im Amazonas. Die Welt über und unter dem Wasser sieht jeweils völlig anders aus. Einmal treiben Eisschollen auf dem Wasser, dann wieder finden sich alte Schiffswracks am Meeresboden, die Tier- und Pflanzenwelt ändern sich jeweils mit. Erstmals verlässt der Spieler das Wasser auch, etwa um an Land Vögel zu beobachten.

Diverse Ereignisse und neue Objekte gestalten den Tauchalltag bunter: Mal muss mit Pulsar-Pistole ein Raubfischangriff abgewehrt werden, dann wieder ein Korallenriff gerettet oder ein Delfin geritten werden. Das ist eine willkommene Abwechslung zum Fotografier- und Sammelalltag. Mit Geld, das der Spieler bei Erfolgen verdient, kann er die Ausrüstung aufbessern, mit tierischer oder auch mal menschlicher Unterstützung kann er den ein oder anderen verborgenen Schatz heben.

Trotz all dieser Optionen spricht nichts dagegen, weiterhin einfach nur durch die Meere zu schwimmen, die Gegend zu genießen, Informationen über die Meereswelt zu sammeln und einfach zu entspannen. Wie kaum einem anderen Titel gelingt es Endless Ocean 2, dem Spieler ein wohlig-angenehmes Gefühl zu vermitteln. Optik und Soundkulisse unterstreichen das: Nicht fotorealistische, aber schön anzusehende und gut animierte Szenerien und Wassertiere erfreuen das Auge, die im Vergleich zum Vorgänger abwechslungsreichere Musik untermalt das Ganze.

Übrigens haben die Entwickler auch einen kleinen Onlinemodus und Wii-Speak-Unterstützung integriert: Es ist möglich, zusammen mit einem Freund auf Tauchkurs zu gehen und sich dabei zu unterhalten.

Endless Ocean 2 ist exklusiv für Nintendo Wii im Handel erhältlich und kostet etwa 40 Euro. Das Spiel ist von der USK ohne Altersbeschränkung freigegegeben.

Fazit


Auch der zweite Teil von Endless Ocean ist nicht für jedermann geeignet - trotz einer stringenteren Story, mehr optischer Abwechslung und deutlich mehr Aktionsmöglichkeiten ist der Titel für ein Videospiel ungewöhnlich ruhig, elegisch und entspannt. Wer eine Erholung vom hektischen Alltag sucht oder sich fürs Tauchen interessiert, wird aber eben das zu schätzen wissen - und die spürbaren Verbesserungen zum Vorgänger dankend zur Kenntnis nehmen.

(Der Artikel erschien zuerst auf Golem.de.)