It’s Time To Share – es ist Zeit zu teilen. Unter diesem Titel präsentierte Microsoft gestern seine neuen Mobiltelefone Kin One und Kin Two. Der Name der Veranstaltung bezog sich zwar auf die Web-2.0-Ausrichtung der neuen Handys, man kann ihn aber auch anders auslegen: "Nun wollen auch wir etwas vom mobilen Web-Kuchen abhaben."

Die Kin-Handys sollen zunächst die Zielgruppe der Teens und Twens ansprechen: Die kompakten, von Sharp hergestellten Slider-Handys sind auf soziale Netzwerke ausgelegt. Entsprechend dient der Bildschirm vor allem dazu, Statusmeldungen von Freunden anzuzeigen. Erste Erfahrungsberichte sind durchaus positiv, die Kins werden aber wohl ein Nischenprodukt bleiben. Sie sind eher Kommunikations-Gadgets als vielseitige Smartphones. Der US-Verkaufsstart ist im Mai, in Europa sollen sie im Herbst via Vodafone auf den Markt kommen, Preis noch unbekannt.

Die eigentliche Entscheidung über die Zukunft von Microsofts Mobil-Sparte folgt zum nächsten Weihnachtsgeschäft. Da erscheint nämlich mit dem Betriebssystem Windows Phone 7 das für Microsoft wohl wichtigste Produkt des Jahres. Dass in diesem Marktsegment Handlungsbedarf besteht, zeigen die Zahlen deutlich: Laut dem Marktforschungsunternehmen Gartner wurden 2009 weltweit nur noch 8,7 Prozent aller Smartphones mit Windows Mobile verkauft – 2008 waren es noch 11,8 Prozent. iPhone (2009: 14,4 Prozent), Android (3,9 Prozent) und Blackberry (19,9 Prozent) konnten ihre Marktanteile dagegen deutlich verbessern.

Noch geringer sind die Anteile bei der Nutzung des mobilen Internets: Laut der Google-Tochter AdMob stammt die Hälfte des gesamten mobilen Web-Traffics von iPhone-Usern, ein knappes Viertel kommt von Google-Handys. Windows kommt nur auf magere zwei Prozent. Microsoft hat sich deshalb zu einem radikalen Schritt entschlossen: Das kommende Windows-Handy-Betriebssystem ist eine komplette Neuentwicklung und auch nicht mit aktuellen Versionen kompatibel.

Um rechtzeitig zum geplanten Start im kommenden Herbst genügend Apps im Katalog zu haben, veröffentlichte Microsoft kürzlich die Entwickler-Werkzeuge für Zusatzprogramme. Das Software-Paket enthält auch einen sogenannten Emulator, der zu Testzwecken das Handy-Betriebssystem auf einem herkömmlichen PC darstellt. Die frei zugängliche Oberfläche besteht allerdings nur aus dem Webbrowser und lässt kaum Rückschlüsse auf das fertige Produkt zu. Der Code für viele andere Funktionen ist versteckt integriert, er wurde auch schnell von einem Entwickler entdeckt, freigeschaltet und im Internet veröffentlicht.

Seither kann sich jeder einen Eindruck von der Bedienung eine Windows-Phone-7-Handys machen. Eine englischsprachige Anleitung gibt es hier. Ganz ungewollt war dieser Leak wohl kaum: Microsofts Presseerklärung danach klang nämlich herzlich unaufgeregt: Man habe "erwartet, dass die Leute versuchen werden, den Code zu entsperren und zu erkunden" und freue sich generell über die vielen positiven Reaktionen.

Während früher absolute Geheimhaltung an erster Stelle stand, ist die Produktpolitik heute wesentlich entspannter: Beispielsweise stellte man Monate vor der Veröffentlichung Schwergewichte wie Windows 7 oder Office 2010 als kostenlose Test-Versionen im Internet zur Verfügung.