"Mein Haus, mein Auto, mein Boot", war früher einmal. Heute heißt es: "Mein Krieger, mein Schwert, meine Rüstung." Dafür investieren Online-Rollenspieler viel Zeit und nicht selten auch viel Geld. Sie erspielen und erwerben virtuelle Güter und Identitäten, die nur innerhalb der Spielewelt zählen.

Aber auch virtuelle Güter sind vergänglich, und das kann manchmal schneller gehen, als man gucken kann. Zum Beispiel, wenn man offensichtlich in der falschen Ecke der Welt wohnt. Die türkischen Spieler des beliebten Online-Rollenspiels Runes of Magic mussten das vor kurzem erfahren.

Dieses Spiel ist ein sogenanntes Free-to-Play-Spiel: Programm und Nutzung sind grundsätzlich kostenfrei. Wer bessere Ausrüstung oder Komfortfunktionen haben will, muss echtes Geld investieren und spezielle Spielwährung erwerben. Einzelne Artikel kosten dabei meist nur Cent-Beträge, doch Top-Spieler investieren nicht selten mehrere Hundert Euro.

Für den Berliner Publisher Frogster, der mit Ausnahme von ein paar asiatischen Ländern alle deutschen und internationalen Server betreibt, ist Runes of Magic eine Goldgrube. Im Jahr 2008 hatte Frogster die Rechte an der deutschsprachigen Variante erworben, 2009 an allen europäischen Sprachversionen. Allerdings hatte der taiwanesische Entwickler Runewaker da die Rechte an der türkischen Ausgabe schon an den Anbieter K2 Gamers First veräußert. Der benötigte länger für die Umsetzung, weshalb Spieler aus der Türkei laut Frogster-Sprecher Axel Schmidt "bislang willkommen geheißen" wurden.

Nun war die Vereinbarung aber einzuhalten, auf Wunsch von K2 Gamers First musste Frogster türkische Spieler, die bislang auf internationalen Servern aktiv waren, per IP-Block aussperren. Ohne Ankündigung konnten sie auf einmal nicht mehr auf ihr Konto zugreifen. Charakter, Schwert, und Rüstung waren ebenfalls weg. Ein Transfer war technisch nicht möglich, die Empörung groß. Es ist eine Entschädigung im Gespräch, man stünde mit dem türkischen Anbieter in Kontakt, sagt Schmidt, der sich um eine Lösung bemüht. "Selbstverständlich ist uns jeder Spieler wichtig", sagt er. Man verstehe die Enttäuschung und den Ärger sehr gut, man spiele schließlich selbst leidenschaftlich.

Rechtlich scheint die Sache klar. Die AGBs, die man bei jedem Programmstart aufs Neue bestätigt, sichern dem Betreiber alle Besitzrechte an den virtuellen Güter und Figuren. "Ein Nutzungsrecht ist eine Lizenz und die wird vom Bürgerlichen Gesetzbuch wie Miete behandelt", sagt der auf Medienrecht spezialisierte Rechtsanwalt Andreas Lober. "Wenn ich eine Wohnung miete, dann gebe ich Geld dafür aus, es mir dort hübsch zu machen. Ich kann genauso gut einfach so dort leben, aber sie auch verschönern. Nur muss mir bewusst sein, dass es zu Ende ist, wenn ich ausziehe."