Viel ist über das Spiel Heavy Rain bereits geschrieben worden . Heavy Rain oder auch das schon etwas ältere Fahrenheit seien deshalb so besonders, weil sie den Spieler emotional involvierten, und das sei womöglich die Zukunft des Spielens . Es wird gar die Frage gestellt, ob es sich dabei noch um ein Computerspiel im eigentlichen Sinne handele , oder nicht eher um einen interaktiv erzählten Film. Das Thema Konvergenz ist derzeit ohnehin in aller Munde: Spiele und Filme nähern sich einander immer mehr an.

Nun beruht die emotionale Involviertheit im Film auf einer glaubwürdigen Darstellung des Schauspielers. Das stellt die Spielebranche vor Herausforderungen. Denn allen Fortschritten der Computergrafik zum Trotz erreichen Spiele diese Form von Realismus nur selten.

David Cage ist mit Heavy Rain ein großes wirtschaftliches Risiko eingegangen, hat viel Zeit in die Entwicklung der Spielszenen investiert. Soll es daher künftig mehr "Emotional Games" geben, mehr facettenreiche Darstellungen, Gesichtsausdrücke, Ambivalenzen, differenzierte Haltungen, würde das die Branche viel Geld kosten.

Einen Teil des Problems könnte der Fortschritt lösen: Stichwort in Echtzeit gerenderte Cutscenes . Auf der Gamescon stellte etwa die Firma Motives in Movement eine "Behavior Library" vor, eine "Bibliothek des Verhaltens", mit deren Hilfe ein überschaubares Set von Schauspieler-Aufnahmen an viele unterschiedliche Gefühls- und Verhaltenszustände angepasst und für die konkrete Szene abgerufen werden kann. Die Bibliothek liefere "lebendige Szenen, den richtigen Blick, das richtige Nicken, Lächeln oder sogar die richtige Art, auf dem Stuhl zu sitzen", verspricht die Firma. Und ebenso wichtig: die Clips lassen sich durch das Bibliothekssystem einfach verwalten und wiederfinden.

Wie aus wenigen Aufnahmen unterschiedliche Spielszenen generiert werden können, durften Besucher auf der Computerspielmesse Gamescom sogar am eigenen Leib ausprobieren. (Die Funktionsweise wird hier in einem Video erklärt .)

Doch sind mehr Emotionen und Ambivalenzen im Spiel überhaupt erwünscht? Denn obwohl vor allem die etablierten Medien Spielen wie Heavy Rain große Begeisterung entgegenbringen, steht keineswegs fest, dass emotionale Involviertheit tatsächlich die Zukunft des Computerspiels bedeutet.