Die Videospielmesse Gamescom ist zu Ende, doch die Diskussion über vermeintliche Killerspiele geht weiter. Im Mittelpunkt steht diesmal der gerade vorgestellte Ego-Shooter Medal of Honor . Der Grund: Hier können Spieler im Multiplayer-Modus auch aufseiten der Taliban kämpfen. Am Wochenende forderte der britische Verteidigungsminister Liam Fox die Händler auf, das Spiel zu boykottieren. Es sei "unbritisch". Nun äußerte sich auch Bundeswehrverbandssprecher Wilfried Stolze : Es sei "widerwärtig, so ein Spiel auf den Markt zu bringen, während in Afghanistan Menschen sterben. " Offenbar ist das Spiel auch undeutsch. Oder vielleicht einfach zu realistisch?

In Medal of Honor sterben weder britische noch deutsche Soldaten, die Gegner der virtuellen Taliban sind aber amerikanische Spezialeinheiten, also Nato-Truppen. Die Empörung zeigt eine neue Facette der Killerspieldebatte, die sich nicht gegen das Schießen auf Menschen per se richtet, sondern gegen das Schießen auf die falschen Menschen.

Die Feindbilder in realistischen Ego-Shootern sind seit jeher klar definiert. Bei Spielen, deren Folie der Zweiten Weltkrieg ist, sind die Gegner grundsätzlich Nazis oder Japaner. Findet das Spiel im Kalten Krieg statt, bekommt man es zumeist mit Russen oder Chinesen zu tun. Und bei Spielen in der Gegenwart? Klar, hier geht es gegen Terroristen oder vermeintliche Schurkenstaaten. Man muss wohl nicht erwähnen, auf welcher Seite der Spieler gewinnt.

An der Rollenverteilung ändert sich auch in Medal of Honor zunächst nichts. In der Einzelspieler-Kampagne übernehmen die Spieler die Rolle amerikanischer Spezialeinheiten, die in Afghanistan unterwegs sind. Nur im Mehrspieler- und Online-Modus kann sich ein Teil der Spieler auch auf die Seite der Taliban schlagen. Das ist kein neues Konzept in Ego-Shootern – schließlich können sich die amerikanischen Soldaten schlecht gegenseitig abschießen.

Es ist die Aktualität der Ereignisse, die viele Kritiker des Spiels auf den Plan ruft. Das Argument: Die Spieler können vor dem Bildschirm als Taliban auf westliche Truppen schießen, während zur gleichen Zeit tatsächlich Soldaten in Afghanistan sterben. Das ist etwas anderes, als wenn eine Seite die Nazis spielt. Hier wirkt die zeitliche Distanz der Ereignisse als entschärfender Puffer.