Seit 1991 und damit nunmehr seit fast zwanzig Jahren ermöglicht das Strategiespiel Civilization dem Spieler die Entwicklung einer Kultur von der Steinzeit bis zum Weltraumzeitalter. Ein Jahr nach dessen erstem Erscheinen hielt Samuel Huntington seine stilbildende Rede über den Clash of Civilizations . Seither legen die Macher des rundenbasierten Games mit jeder neuen Version auch ein neues Geschichtsbild vor.

Der nun vorgestellte fünfte Teil ist dabei vor allem eines: entspannter. Im Vergleich zu den vorangegangenen Teilen ist Civilization V sichtlich säkular und polyzentrisch angelegt. Früher waren im dem Spiel Religionen und Kriege die Schlüssel zur Macht, jetzt ist es die Zusammenarbeit mit winzigen Stadtstaaten.

Ein Signal dieses neuen Multikulturalismus sind beispielsweise die diplomatischen Verhandlungen, die in der jeweiligen Volkssprache geführt werden. Man hört selbst siamesische, irokesische und ägyptische Gesandte im Original.

Wie nie zuvor ist außerdem Geld gleichbedeutend mit Macht. Das eigene Einflussgebiet kann nicht mehr nur durch Eroberung, Besiedelung oder kulturelle Assimilation vergrößert werden. Ganz realistisch bietet Civilization nun die Möglichkeit, Territorien anzukaufen.

So modern war das Spiel nicht immer. Die Reihe begann in der Stimmung des westlichen Triumphs nach dem Ende des Kalten Krieges. Ziel war damals schlicht die Unterwerfung aller anderen Völker. "Weltgeschichte ist Weltgericht", lautete das Motto, um mit Schiller zu sprechen.

Natürlich war auch klar, wessen Sieg man nachspielte. Alle Parteien, selbst die Urzivilisationen Ägypten, Babylon, China und Indien begannen als Planwagen nach dem Muster der Vereinigten Staaten. Gleichzeitig konnte man letztere bereits im Jahr 4000 vor Christus gründen – ein viel sagender Anachronismus. Der Weg vom Planwagen zur Demokratie, zum Manhattan-Projekt und zum Apollo-Programm wurde als der einzig gangbare einer Weltmacht dargestellt.

Der zweite Teil erschien 1996 mitten in der Clinton-Periode . Er war sichtlich von der etwas gezwungenen politischen Korrektheit dieser Jahre geprägt. Die Gleichberechtigung der Geschlechter spielte eine Rolle, jeder Zivilisation wurde eine weibliche und eine männliche Führungsfigur zugestanden. Zuvor war einzig England durch eine Frau, Elisabeth I, vertreten. Und auch auf eventuelle Vorwürfe des Rassismus ging man ein. Anstelle des Planwagens starteten nun alle Zivilisationen mit einem schwarzen Siedler, der eine ägyptische Kopfbedeckung trug.

Zudem wurde neben der militärischen die kulturelle Hegemonie entscheidend. Konstruktionen wie Shakespeares Theater, die Freiheitsstatue oder Leonardo da Vincis Werkstatt waren eben so wichtig wie militärische Planung.