Ob Philip Oliver einfach einen feinen Sinn für Humor hat? Der Chef der Blitz Games Studios sprach am Donnerstag auf der Develop, einer Liverpooler Konferenz für Spieleentwickler, über die Zukunft der Xbox Kinect. Er erwarte, sagte er, dass aus der Technik nicht nur neue Spiele-Genres entstehen , sondern auch " ganz neue Möglichkeiten, diese Technologie zu nutzen ". Vermutlich war ihm klar, wie richtig er liegt – wenn es auch eher um inoffizielle Anwendungen geht.

Über eine Million Kinects wurden bisher verkauft. Das Prinzip: Die Spieler benötigen keine Controller mehr, sondern steuern via Körperbewegungen . Doch das Zusammenspiel aus Infrarotkamera, die Raumtiefen misst und Videokamera, die Körperumrisse erkennt und Bewegungen wahrnimmt, funktioniert inzwischen auch jenseits der Xbox. Der spanische Hacker Hector Martin veröffentlichte wenige Stunden, nachdem Kinect in Europa auf den Markt gekommen war, eine Treibersoftware unter Open-Source-Lizenz, mittels derer das System mit dem PC kommunizieren kann: libfreenect .

Damit gewann er den von der US-Firma Adafruit ausgelobten Preis von 3000 Dollar für den ersten Kinect-Hack. Vor allem aber schuf er die Grundlage für Tüfteleien, die eben noch in Science-Fiction-Filmen verortet wurden.

Kinect Dance Night - Spielen ohne Kabel und Knöpfe

Eine naheliegende Anwendung: die an den PC angeschlossene Kinect ersetzt die Maus durch Gesten, lässt einen in Tabs blättern, rein- und rauszoomen, auswählen, wie man es etwa vom iPhone kennt – nur ohne Berührung eines Bildschirms, allein durch das abgefilmte Gefuchtel.

Das sieht in seiner beidhändigen Version für Windows 7 noch etwas unbequem aus. Eine elegantere Lösung haben Entwickler des MIT Media Labs in Cambridge entwickelt. Mit ihrer Chrome-Erweiterung navigieren sie einhändig , blättern mit Wischgesten und Klicken durch ein kurzes Greifen. Auch Zeichnen lässt sich nun per Fingerzeig, wie Mehmet Akten an einem Mac zeigt .

Natürlich gibt es auch jede Menge Spielereien: Ein Gamer steuert den Ego-Shooter Quake nicht mehr mit Maus und Tastatur, sondern durch die Bewegungen seines Holzgewehrs, ein anderer verzerrt sein Kinect-Abbild (und das seiner Katze), anderswo wird ein Besenstiel zum Laserschwert . Nicht umsonst heißt es in vielen der YouTube-Videos, die gehackte Anwendungen zeigen, man steuere den Rechner nun mit der Force , der Macht der Jedi .

Dass es jedoch um mehr geht als um Jedi-Feeling, zeigt der deutsche Entwickler Oliver Kreylos. Er nutzt Kinect, um 3-D-Videos zu erstellen. Mit einer virtuellen Kamera kann er in diesem Hologramm jeden beliebigen Blickwinkel einnehmen und außerdem computeranimierte Figuren hinzufügen. Zweidimensionale Videokonferenzen könnten so bald der Vergangenheit angehören.