Es war ein Trailer, wie ihn die Exegeten lieben: Aufwändig produziert, atmosphärisch dicht und voller Zitate. Als der Verlag Square Enix das Ankündigungsvideo von Deus Ex: Human Revolution veröffentlichte, machten sich viele Games-Magazine sogleich daran, es Bild für Bild zu sezieren . Und sie wurden fündig: Renaissance-Architektur, Gemälde von Rembrandt, Dürer und Fuseli , der fatale Flug des Ikarus. Das alles geschnitten gegen den Kontrast futuristischer Skylines, TV-Bildern von Straßenschlachten und High-Tech-Waffen. Mittendrin ein Mann mit Sonnenbrille, Ledermantel und Armprothesen. Einer, der ungefragt zum Cyborg wurde – und der jetzt einer globalen Verschwörung auf der Spur ist.

Dass schon im Trailer ein solcher Aufwand betrieben wurde, hat einen Grund: Human Revolution tritt ein ausgesprochen schweres Erbe an. Das Spiel Deus Ex aus dem Jahr 2000 ist ein Klassiker der Videospielgeschichte. Die enorme Handlungsfreiheit, besonders aber die spürbaren Konsequenzen dieser Handlungen setzten damals neue Maßstäbe. Um seine Ziele zu erreichen, konnte der Spieler rohe Waffengewalt wählen, trickreiches Herumschleichen – oder beides zugleich.

In Schlüsselszenen musste der Spieler Partei ergreifen, über Leben und Tod einer Figur entscheiden – mit gravierenden Folgen für die weitere Handlung. Auch atmosphärisch wusste der Mix aus Rollenspiel und Stealth-Shooter zu überzeugen: Deus Ex entwarf eine kühl-futuristische, von Nanotechnologie dominierte Cyberpunk-Welt im Stile von Blade Runner . Invisible War , der zweite Teil der Serie, war dann beileibe kein schlechtes Spiel, scheiterte aber an den hohen Erwartungen der Fans. Human Revolution bleibt dieses Schicksal erspart: Es darf getrost als würdiger Nachfolger bezeichnet werden. 

Human Revolution ist die Vorgeschichte zu Teil eins: Es spielt im Jahr 2027 und damit ein Vierteljahrhundert früher. Die Menschen rüsten ihre Körper mit mechanischen Erweiterungen auf, das Zeitalter der Nanotechnologie steht kurz bevor. Wer sich künstliche Körperteile leisten kann, besitzt Vorteile auf dem Arbeitsmarkt und gesellschaftliches Prestige. Doch mit der sozialen Kluft wächst auch der Widerstand gegen das Körperwettrüsten – der Konflikt gipfelt in terroristischen Anschlägen auf Biotech-Unternehmen.

Hier kommt der Protagonist Adam Jensen ins Spiel: Als Sicherheitschef der Firma Sarif Industries ist es seine Aufgabe, die reibungslose Produktion von Prothesen und Waffen zu gewährleisten. Bei einem Söldnerüberfall auf Sarif Industries wird Jensen schwer verwundet. Die lebensrettende Operation macht ihn zur Mensch-Maschine. Mit seinen Cyborg-Fähigkeiten soll er nun Sarifs Gegner zur Strecke bringen. Schon bald aber geraten die Fronten durcheinander, und eine weltumspannende Verschwörung tut sich auf.

Das Spiel funktioniert gleich auf mehreren Ebenen hervorragend: als taktisch anspruchsvoller Schleich-Shooter, als Open-World-Game mit Rollenspiel-Elementen und als dystopische Projektionsfläche. Wie im Ur- Deus-Ex kann der Spieler frei entscheiden, ob er die Konfrontation im Kugelhagel sucht oder lieber an den patrouillierenden Wachen vorbeischleicht – wofür es mehr Erfahrungspunkte gibt.