Ohne es zu wollen, hat Microsoft mit der Videospielsteuerung Kinect weltweit Hacker zu Experimenten veranlasst . Damit es nicht Experimente Einzelner bleiben und die Möglichkeiten des Systems voll genutzt werden können, hat die Entwicklerfirma der Kinect-Technik auf der Game Developers Conference Europe in Köln angekündigt, bald eine neue Plattform zu starten. Auf der sollen Entwickler, Nutzer und Industrie sich austauschen können, sodass am Ende womöglich neue Produkte entstehen.

Tatsächlich sind die Möglichkeiten der Sensortechnologie längst nicht ausgeschöpft; die Entwicklung befindet sich eigentlich gerade erst am Anfang. Was mit ihr möglich ist, versuchen derzeit weltweit viele technikaffine Menschen auszuloten .

So hat der britische Künstler und Designer Chris O’Shea eine Luftgitarre entworfen , andere nutzen die Technik, um auf den Schreibtisch oder den Fußboden ein Klavier zu projizieren , oder um Games-Figuren zum Tanzen zu bringen .

"Die bisherige Handhabung von Computer- und Videospielen mittels Controller ist künstlich", sagt Amir Hoffnung von PrimeSense. Die Kinect-Technik ist ein Weg, normale Gesten an den Computer zu übertragen. Hoffnungs Firma hat die Technologie dazu entwickelt. Damit die Experimente nicht nur im Internet ihr Publikum finden und als bloße Spielereien verenden, will die Organisation OpenNI , zu der PrimeSense gehört, die Austauschplattform die OpenNI Arena etablieren.

OpenNI ist von Unternehmen initiiert, selbst aber nicht gewinnorientiert und soll die Technik fördern und verbreiten helfen. NI steht dabei für natural interaction , also natürliche Steuerung, und meint längst nicht nur die Kinect, sondern alle Systeme, die sich mit Bewegungs- und Gestensteuerung befassen.

Möglich ist das alles, weil PrimeSense die Treibersoftware für die Kinect-Bewegungssteuerung veröffentlichte – nachdem der spanische Hacker Hector Martin das zuerst getan hatte. Sie ist nun Open Source und kann von anderen genutzt und verändert werden. Und viele tun es. Die bisherige Software-Version wurde laut PrimeSense über 100.000 Male heruntergeladen.

Zu tun und zu erforschen gibt es eine Menge. Zum einen ist die Auflösung des Sensors noch sehr niedrig, zum anderen die Kalibrierung noch zu ungenau. Das System wirft ein feines Raster aus Infrarot-Lichtpunkten in die Umgebung und erkennt so Personen und Gegenstände in ihr. Wie fein es ist, bestimmt, welche Details des Raumes erfasst werden können. PrimeSense selbst will an der Effektivität der sogenannten Middleware arbeiten – will also erreichen, dass die Daten des Sensors exakter registriert und verarbeitet werden.