Seit 27 Jahren kämpfen und rätseln sich deutsche Rollenspieler nun schon durch das fiktive Land Aventurien. Das Pen-&-Paper-Rollenspiel Das Schwarze Auge ( DSA ) von Ulrich Kiesow hat in dieser Zeit eine breite Produktpalette an Büchern, Hörspielen und auch Computerspielen hervorgebracht. Was der Verlag Schmidt Spiele damals als Konkurrenzprodukt zum erfolgreichen Dungeons and Dragons in Auftrag gab, avancierte zum Fantasy-Kult.

Doch schon die Versuche, das Pen-&-Paper-Spiel in der englischsprachigen Welt, aber auch Italien, den Niederlanden oder Frankreich zu etablieren, schlugen fehl. Das komplexe Regelwerk und die an nordische Heldensagen angelehnten Inhalte entsprachen nicht den Vorstellungen der Zielgruppe. Schwierigkeiten brachte auch die Übersetzung mit sich, angefangen beim Namen: " Black eye " steht im Englischen für ein "blaues Auge". Viele Bezeichnungen und Dialoge verloren so ihren Charme oder ergaben, zu buchstabengetreu übersetzt, keinen Sinn mehr.

Das Entwicklerteam um Kiesow ließ sich davon nicht beirren, arbeitete weiter an der Welt von Aventurien und konzentrierte sich auf das deutsche Publikum. Die ständige Weiterentwicklung des DSA -Universums legte den Grundstein für eine überaus treue und aktive Community. Kiesow starb 1997, das Pen-&-Paper-Rollenspiel wird bis heute verkauft.

Der kulturelle Unterschied

Anfang der 1990er Jahre konnten Spiele wie Das Schwarze Auge erstmals auf den PC übertragen werden. Mit der Nordland-Trilogie erschuf Entwickler Attic eines der ersten DSA -Computerspiele. Es bekam Bestwertungen und wurde über 2,4 Millionen Mal verkauft.

Einen echten internationalen Durchbruch der PC-Version verhinderten aber kulturelle Unterschiede. Der Rollenspiel-Markt ist in zwei Lager unterteilt: Auf der einen Seite stehen japanische Spiele, die sich oft durch einen pompösen Mangastil auszeichnen. Auf der anderen Seite stehen die Rollenspiele aus dem Westen, wobei der amerikanische Geschmack im Mittelpunkt steht. Diese Spiele konzentrieren sich vorwiegend auf actionreiche Erzählstränge und stellen meist eine überzeichnete Fantasy-Welt dar. Mit den historisch angehauchten Mittelalter-Szenerien von DSA hat das nicht viel zu tun. "Als Europäer hat man eben eine ganz andere Vorstellung vom Mittelalter als die Amis", musste DSA -Chefredakteur Thomas Römer einst einsehen.

Auch der ambitionierte Versuch der Berliner Entwickler Radon Labs im Jahr 2008 konnte daran nichts ändern : Nach langer Zeit war Radon Labs der erste Spieleentwickler, der wieder eine DSA -Lizenz erworben hatte. Zusammen mit dem Hamburger Publisher dtp brachte Radon Labs das PC-Rollenspiel Drakensang heraus, später auch die Fortsetzung Drakensang: Am Fluss der Zeit . Mit einer neuen 3-D-Grafik und überarbeitetem Kampfsystem sollte das Spiel auch international einschlagen. In Deutschland wurde die Reihe wie schon die Nordland-Trilogie hoch gelobt und bewertet. Doch die Absatzzahlen im Rest der Welt blieben schwach.