Mass Effect ist nicht der erste Fall, bei dem Fans ein Kunstwerk für sich vereinnahmen. George Lucas ist bekannt dafür, seiner Star-Wars -Reihe mit jeder Neuauflage kleine Änderungen zu spendieren – und damit den Zorn vieler Fans auf sich zu ziehen. In den Augen von Lucas sind große Teile seines Werkes unvollkommen. Deswegen verbessert er sie in einem andauernden Prozess. Wer aber mit den kultigen Originalfassungen aufgewachsen ist, betrachtet diese im Extremfall als Teil seiner Erinnerung und damit seiner Persönlichkeit. Und die möchte niemand nachträglich verfälscht wissen.

Dabei darf ein Künstler mit seinem Werk machen, was er will, solange er die Rechte daran hält. Das gilt auch nach der Veröffentlichung. Egal, ob es sich um einen Film, ein Buch oder eben ein Spiel handelt. Wenn BioWare für die Mass-Effect -Reihe ein anderes Ende vorsieht, als es die Spieler gerne hätten, fällt das schlichtweg unter künstlerische Freiheit. Wer es mit seiner Geschichte nicht jedem Recht machen möchte, muss auf die kritische Masse pfeifen.

BioWare selbst hat sich bislang nicht geäußert. Dass die Firma nachgeben wird, erscheint auch wenig wahrscheinlich. Es wäre ein Eingeständnis, dass die Käufer des Spiels ein Mitspracherecht hätten, nur weil sie Geld dafür bezahlt haben. Diese Art von Kontrollverlust an mitunter reichlich unbeherrschte Fans kann sich ein Künstler, ein Verlag oder ein Filmstudio nicht erlauben.

Viele Kritiker von BioWare akzeptieren das auch. Dennoch haben sie eine Petition verfasst, in der sie BioWare höflich darum bitten, das Ende neu zu gestalten und zum Download anzubieten. Um zu betonen, dass man keine Krawallgruppe sei, wurde die Petition mit einem Spendenaufruf verbunden. Innerhalb von fünf Tagen kamen so 45.000 Dollar zusammen, die an die gemeinnützige Organisation Child's Play Charity gehen. Die verteilt Computerspiele an Kinderkliniken. Ein Mitbestimmungsrecht, welche Spiele angeschafft werden, haben die Spender übrigens nicht.