Der Weltraum ist gratis im Strategiespiel Galaxy Empire . Wer aber Raumschiffe schneller bauen und Gegner schneller besiegen will, braucht Dunkle Materie – und die kostet echtes Geld. 79 Cent zahlt der Nutzer für 10 Einheiten der virtuellen Währung, für 80 Euro erhält er 1500 Einheiten. Galaxy Empire ist eines von unzähligen Freemium-Games , die mittlerweile den App Store von iTunes bevölkern. Die Gratisspiele mit den kostenpflichtigen Zusatzinhalten besetzen derzeit acht von zehn Plätzen der Anwendungen mit den am schnellsten wachsenden Umsätzen.

Das Freemium-Geschäftsmodell funktioniert bei Smartphone-Spielen, Browser-Spielen und client-basierten Multiplayer-Games gleichermaßen. Im vergangenen Jahr gaben deutsche Spieler 233 Millionen Euro für virtuelle Zusatzinhalte aus, gab der Branchenverband BIU bekannt – ein Wachstum von 70 Prozent.

Auf Heimkonsolen wie PS3 und Xbox 360 fand Freemium bisher nur sporadisch statt. Die Hersteller wollten das angestammte Preisgefüge nicht gefährden: Konsolen-Blockbuster kosten im Handel nach wie vor zwischen 50 und 70 Euro. Doch mit dem Erfolg der Gratis-Spiele steigt auch der Anpassungsdruck. Ende März kündigte Sony drei Freemium-Titel für die virtuelle Plattform Playstation Home an: das Piratenabenteuer Halsabschneider: Kampf um die Schwarzpulverbucht , den Shooter No Man's Land und das Rollenspiel Mercia . Zwar gab es auch vorher schon Gratis-Spiele auf PS Home. Die drei neuen Titel sollen aber "größer und immersiver" sein und "Freemium Games auf der Konsole revolutionieren", heißt es bei Sony .

Nicht jeder Konsolenbesitzer wird das gerne hören – Freemium ist unter Gamern äußerst umstritten. Das Modell schaffe eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, sagen die Kritiker . Nach dem Motto pay to win könne man sich spielerische Vorteile wie Waffen und Boni erkaufen, nichtzahlende Mitspieler hätten dagegen kaum eine Chance.

Kritik gibt es auch an Singleplayer-Games, die ihre Nutzer nach allen Regeln der Kunst schröpfen. Ein Beispiel ist die Freemium-App Tap Fish : Nach dem Tamagotchi-Prinzip züchten Spieler Fische, die jedoch verenden, wenn sie nicht genügend Nahrung und Pflege erhalten. Die Daily Show von TV-Comedian Jon Stewart hat Tap Fish zu zweifelhafter Berühmtheit verholfen: Die satirische Reportage "Tap Fish Dealer" beschreibt es als " video game that is free until you don't want it to suck " – "ein Spiel, das so lange umsonst ist, bis du es nicht mehr mies finden willst".

Für Freemium-Genervte waren die Heimkonsolen bislang ein Rückzugsgebiet. Dass Sony sich nun vorsichtig Freemium öffnet, mag manchem Spieler wie ein Dammbruch vorkommen. Entsprechend heftig fielen auch die Reaktionen auf einen Vortrag aus, den der Brite Ben Cousins auf der Game Developers Conference hielt. Cousins ist ein Veteran der Spielebranche, der unter anderem für Lionhead, Sony und EA arbeitete. Heute leitet er den schwedischen Ableger des Mobile-Game-Publishers ngmoco ( Rolando , Eliminate Pro ). 

Cousins Vortrag auf der Entwicklerkonferenz trug den provokanten Titel " When the consoles die, what comes next? " Ganz aussterben würden die Heimkonsolen zwar nicht, sagte der Game-Designer. Sie würden aber massiv an Bedeutung verlieren, wenn Freemium nicht auch dort zum beherrschenden Geschäftsmodell werde.

Beim Free 2 Play Summit Ende März legte Cousins nach : "Ich bin hundertprozentig sicher – ich wette darauf eine Stange Geld – dass wir schon in den nächsten Jahren ein Free-to-play-Äquivalent zu Skyrim haben werden. Ein Spiel wie Skyrim, bei dem man mit der Zeit Fertigkeiten und Ausrüstungsgegenstände sammelt, das man Hunderte Stunden spielen kann, ist tatsächlich mit am einfachsten für Free-to-play zu entwickeln. Es wäre ein großer Hit."