Als am Sonntag die zweitägige Tokyo Game Show endete, klopfte sich die Branche auf die Schultern. Die Videospielmesse, die zu den weltweit wichtigsten des Geschäfts gehört, war größer als je zuvor. 352 Aussteller präsentierten Spiele aus allen Genres von Action und Abenteuer über diverse Simulationen, Rollen- und Strategiespiele. Zwei Giganten, Sony und Microsoft, zeigten ihre neuen Konsolen Playstation 4 und Xbox One.

Viele der 270.000 Besucher schienen von eben diesen Konsolen angezogen. Vor der Playstation 4 mussten Fans teilweise stundenlang anstehen, um ein paar Minuten zocken zu dürfen.

Doch die Musik spielte woanders. Ein Viertel der knapp 1.000 präsentierten Spiele auf der Messe wurde für Plattformen wie iOS von Apple oder Android von Google entwickelt. Damit waren Smartphonespiele so stark vertreten, wie alle Entwicklungen für die neuen und alten Konsolen von Sony, Microsoft und Nintendo zusammen.

Das Marktsegment Spiele für leistungsfähige Telefone boomt seit Jahren. Schon heute werden mehr Games auf dem Handy gespielt als auf PCs und Konsolen.

1,1 Milliarde Euro Umsatz

Einer der größten Stände der Messe war der des Entwicklers Gree. Der japanische Betrieb besteht erst seit zehn Jahren, hat in dieser Zeit aber schon 3.000 Spiele für Smartphones entweder selbst entwickelt oder verlegt. Im ersten Halbjahr 2013 setzte das Unternehmen 1,1 Milliarden Euro um – fünfmal so viel wie noch vor drei Jahren.

Dabei stehen die Spiele von Gree und vergleichbaren Anbietern in der Regel kostenlos zum Download zur Verfügung und sind in Sachen Grafik, Spieltiefe und Handlung simpel. Sie erinnern eher an frühe Spiele wie Tetris oder Pong als an aktuelle Entwicklungen wie die Fifa-Reihe von EA Sports oder große Multiplayergames.

Trotzdem boomt das Geschäft. Eines der beliebtesten Spiele von Gree, die Angelsimulation Tsuri-sta, wird derzeit von 15 Millionen Japanern gespielt. Bei Tsuri-sta geht es darum, Fische zu fangen. Für die Steuerung genügt ein Finger. "Das Spiel war das erste social game auf dem Handymarkt", sagt Shinichi Iriyama von Gree. Durch eine Blogfunktion könnten Spieler mit ihren gefangenen Fischen angeben, was wiederum andere dazu ansporne, besser zu werden.

Die meisten Handyspiele finanzieren sich über micro transactions, kleine Upgrades zu geringen Preisen. Bei Tsuri-sta sind das etwa eine stärkere Angel oder Köder für 100 Yen (rund 75 Cent).