Die Zeit bis Weihnachten ist 2013 eigentlich schon qualvoll genug für Spielefans. Beim Verfassen der Wunschzettel stehen sie vor richtungsweisenden Entscheidungen, denn sowohl Sony als auch Microsoft haben für November Neuauflagen ihrer Konsolen angekündigt. Wenn Gamesfans dachten, sie müssten sich nun zwischen der Playstation 4 und der Xbox One entscheiden, ist jetzt noch eine Option dazugekommen: Steam.

Steam ist eine Software, eine Spieleplattform, die bisher entweder auf dem PC oder auf dem Mac läuft. Mehr als 50 Millionen Kunden nutzen sie derzeit, um darüber Videospiele zu kaufen, herunterzuladen und zu spielen. In Valves Portfolio sind Millionenhits wie Counter Strike und Half-Life 2. Außerdem kommen Gamer rund um den Globus mithilfe von Steam miteinander in Kontakt, um sich über Spiele auszutauschen und gemeinsam zu zocken.

Das Erlebnis dieser Unterhaltungswelt will der Entwickler von Steam, das Unternehmen Valve, nun ausbauen. In Kürze wird man ein eigenes Steam-Betriebssystem auf den Markt bringen. Steam OS soll es heißen und auf dem offenen Betriebssystem Linux basieren – eine Nachricht, mit der Valve die Branche durchaus in Aufregung versetzt. Denn mit Steam OS könnte eine neue Art Konsolen wachsen.

Die hätte viel Power. Steam gilt als größte und wichtigste Plattform für den Vertrieb von Games, auch wenn Electronic Arts ein stetes Nutzerwachstum seiner Konkurrenzplattform Origin meldet und eigenen Aussagen zufolge ebenfalls bereits die Schwelle von 50 Millionen angemeldeten Nutzern erreicht hat.  Steam OS soll kostenfrei zum Download bereit stehen und optimiert sein für den Einsatz auf großen Bildschirmen. "Mit SteamOS haben wir wesentliche Leistungssteigerungen in der grafischen Verarbeitung erreicht und wir planen dies nun auch für die Audioleistung sowie Verringerungen in der Eingabelatenz auf dem Betriebssystemlevel", verspricht Valve.

Ein Spiel auf vielen Geräten

Steam OS ist vor allem aber ein strategisch wichtiger Schritt. Steam OS könnte auf einem speziellen Laptop genauso laufen wie auf einer neuen, billigen No-Name-Konsole. So entsteht ein weiteres Ökosystem für Spiele und damit ein neuer Konkurrent im Kampf um die Nutzer beziehungsweise einen besonderen Teil ihres Lebens: ihr Wohnzimmer. Gelingt es, stünde Steam OS neben dem Playstation Network von Sony inklusive der Streaming-Plattform Gaikai, neben der Xbox-Plattform von Microsoft, dem AppStore von Apple und dem Google Play Store.              

Auf die Idee zu Steam OS sei man gekommen, heißt es auf der Website von Steam, "während wir daran gearbeitet haben, Steam auch im Wohnzimmer nutzbar zu machen".  Wie das in der Praxis aussehen könnte, veranschaulicht etwa die neue Funktion In-Home-Screening. Um ein Game zu spielen, startet der Nutzer wie bisher seinen Rechner; auf dem läuft in Zukunft statt Windows oder OS X dann Steam OS. Der Vorteil: Über das Netzwerk zu Hause kann das Spiel auf den großen Fernseher übertragen werden. Auch Musik und Videos können über Steam abgespielt werden, Familienmitglieder sollen ihre Spiele miteinander "teilen" und abwechselnd nutzen können. Und natürlich sollen Spiele über alle Geräteklassen wie Smartphones, Tablets, Desktops und Fernseher hinweg genutzt werden können.

Dass Valve das ermöglichen will, indem es eine eigene Hardware entwickelt, war seit Längerem bekannt. Bisher tippten allerdings viele Beobachter auf eine Steam Box, in der Konsole und PC zu einer Settop-Box verschmelzen

Ob Steam an diesem Konzept festhält, dürfte sich am Mittwoch zeigen. Für den Abend hat Valve eine Neuheit angekündigt. Auf einer entsprechenden Website sind drei Symbole zu sehen: das erste stellt einen Kreislauf dar, womit eben das Steam-Ökosystem gemeint ist. Das nächste zeigt einen Kreis in rechteckigen Klammern: Steam auf einem speziellen Gerät, vielleicht sogar auf verschiedenen mit unterschiedlichen Preisen? Gänzlich rätselhaft ist Schritt drei: Kreis plus Kreis. Ob sich dahinter die Ankündigung weiterer Software verbirgt, möglicherweise die Ankündigung des lange erwarteten Half-Life 3