In Device 6, dem neuen iOS-Spiel des Entwicklerstudios Simogo, erobern die Wörter den Raum. Auf dem Touchscreen verwandeln sich Sätze in langgezogene Korridore, sie schrauben sich als Wendeltreppe empor oder spannen sich als schmale Brücke über unsichtbare Gewässer. Lesend scrollt man mit dem Finger voran, biegt um Ecken, indem man iPhone, iPod Touch oder iPad dreht, oder landet in Sackgassen, wenn ein Satz plötzlich endet. Das ist spannend, denn der Text ist hier weitaus mehr als nur Beschreibung, er verkörpert das Beschriebene selbst. Wörter und Sätze werden zum Grundriss einer Welt, die sich als Alptraum entpuppt.

Einen Namen hat sich Simogo bereits mit Year Walk gemacht, einem Rätsel-Trip durch tiefverschneite Spukwälder. Formal unterscheiden sich die Spiele stark: Year Walk kommt ohne jeden Text aus, Device 6 ist ein multimedial angereichertes Textabenteuer. Es gibt aber auch Gemeinsamkeiten: In beiden Spielen herrscht ein Horror, der sich aus Einsamkeit und Desorientierung genauso speist wie aus der Tatsache, dass dunkle Mächte ungnädig walten.

Anna, die unsichtbare Hauptfigur von Device 6, erwacht an einem ihr unbekannten Ort. Wie sie dort hinkam, weiß sie nicht mehr, womöglich wurde sie entführt. Auf der Suche nach Anhaltspunkten irrt sie durch ein herrschaftliches Haus, das unbewohnt scheint. Schon bald muss Anna erkennen, dass sie sich auf einer Insel befindet, was ihre Flucht nicht gerade erleichtert.

Die Insel strotzt vor bizarren Schauplätzen und makabren Vorrichtungen; überall hängen Überwachungskameras und Lautsprecher, die verschlüsselte Botschaften verkünden. Anna wird den Eindruck nicht los, Teil eines fragwürdigen Experiments zu sein – doch warum sollte jemand einen solchen Aufwand betreiben?

Auf ihrem Weg über das Eiland landet Anna immer wieder vor verschlossenen Türen. Öffnen lassen sie sich nur mit Codes, für die es mehrstufige Rätsel zu lösen gilt. Eindeutige Hinweise sind in Device 6 rar; die Lösungsansätze stecken oft in scheinbar nebensächlichen Details, etwa einer bestimmten Farbkombination, einem Gemäldemotiv oder einer verschwurbelten Audiobotschaft. Device 6 erfordert gute Englischkenntnisse, eine deutschsprachige Fassung gibt es nicht.

Manchmal frustrierend

Bilder und Töne streut Simogo geschickt in den textbasierten Handlungsverlauf ein: Blickt Anna durch eine halb geöffnete Tür, erscheint der Inhalt des Zimmers wie in einem Jahrmarkt-Guckkasten. Audiobotschaften werden meist automatisch abgespielt, wenn man sich einer Schlüsselstelle nähert. Um auch wirklich alle nötigen Hinweise zu finden, muss man das jeweilige Kapitel oft bis zum Anfang zurückverfolgen. Auch deshalb, weil ein Bild plötzlich neue Details enthalten kann, die an anderer Stelle heimlich ausgelöst wurden.

Die eigentlichen Rätsel sind nicht immer schwierig zu lösen: Mal muss man Wortbestandteile verknüpfen, mal logische Aussagen gegeneinander abgleichen. Was Device 6 anspruchsvoll und manchmal sogar frustrierend macht, ist die Suche nach den richtigen Puzzle-Teilen. Das Spiel bietet keine Hilfefunktion, mit der sich kritische Stellen meistern ließen – da hilft dann nur, sich die Aussagen und Bilder immer wieder neu zu vergegenwärtigen.

Papier und Bleistift sind in jedem Fall sehr hilfreich, wenn der Kopf zu rauchen beginnt. Je nach Rätseltalent schwankt die Spieldauer von Device 6 sehr stark, denn die sechs Kapitel sind – für sich genommen – sehr kurz. Alternative Lösungswege gibt es übrigens nicht.