Am Anfang von Rust walten rohe Kräfte. Das einzige Werkzeug ist ein Steinbrocken. Mit dem drischt man so lange auf einen Felsen, bis von dem nur noch Bruchstücke übrig sind. Das nächste Opfer ist eine stattliche Fichte, sie geht unter den Hieben zu Boden. Mit Holz und Stein bastelt man sich eine Axt, und mit der Axt fällt man weitere Bäume – so lange, bis genug Baumaterial für eine primitive Hütte beisammen ist. Kaum hat man ein Dach über dem Kopf, bricht auch schon die Nacht herein. In der Dunkelheit schleichen Bären, Wölfe und Zombies um die Hütte.

Am nächsten Morgen scheint der Spuk vorbei. Sonnenstrahlen tasten sich den Berg empor und laden zu einem Spaziergang in der Umgebung ein. Kurze Zeit später steht man wieder vor der Hütte: Die Tür ist aufgebrochen, alle Vorräte sind weg. Die hat jetzt ein anderer Spieler.

Rust ist nur eines von vielen Survival-Games für den PC, die gerade in der Entwicklung sind. Titel wie Roam, Nether oder 7 Days to Die wurden teilweise über Kickstarter finanziert und lassen sich bereits in der kostenpflichtigen Alpha-Version von Steam herunterladen.

Die Spiele haben einige Gemeinsamkeiten: eine postapokalyptische Kulisse, die von Überlebenden und Zombies bevölkert ist; eine offene Spielwelt, die sich im Multiplayer-Modus frei erkunden lässt; und ein Crafting-System, mit dem man nicht nur Waffen und Ausrüstung herstellen, sondern teilweise auch Häuser und Festungsanlagen bauen kann. In allen Spielen sind die Ressourcen knapp und die Bedrohungen vielfältig: Ziel ist, möglichst lange zu überleben. Nun sind postapokalyptische Szenarien nichts Neues: Man denke nur an den Endzeit-Sandkasten Fallout 3, in dem Spieler mithilfe von Blaupausen ihre Waffen aus Schrott herstellen konnten.

Vorbilder: Minecraft und DayZ

Dass diese Spiele aber nun derart gehäuft auftreten, hat mit zwei herausragenden Titeln der vergangenen Jahre zu tun: Minecraft und DayZ. Minecraft wurde seit 2009 mehr als 30 Millionen Mal verkauft. Die Klötzchen-Welt lässt sich nach Belieben verändern: Im Survivalmodus baut man Festungen und Bunker gegen Monster, im Kreativmodus entstehen Traumhäuser, Eins-zu-eins-Kopien realer Bauwerke und manchmal auch ganze Welten – zum Beispiel der Kontinent Westeros aus der TV-Serie Game of Thrones.

DayZ ist eine Modifikation des Kriegsspiels Arma II und seit Mitte Dezember auch als Standalone verfügbar. Schauplatz des First-Person-Shooters ist der fiktive postsowjetische Staat Chernarus, in dem ein erbitterter Überlebenskampf tobt. Die allgegenwärtigen Zombies sind dabei eine geringere Gefahr als die Mitspieler, die um knappe Ressourcen ringen. Aus diesem anarchischen Zustand heraus entstehen unaufhörlich neue Geschichten von Verrat und Loyalität, von Feigheit und Heldenmut. Als herausragendes Beispiel für emergent gameplay ruft DayZ sogar virtuelle Krisenreporter auf den Plan.

Spiele wie Rust wollen nun das Beste beider Welten zusammenbringen: Crafting, Basenbau, Zombie-Horden und unberechenbare Mitspieler. Ein Maximum an Handlungsfreiheit soll gewährleisten, dass die Teilnehmer ihre ganz eigenen Geschichten schreiben können. Die Macher von Rust haben damit durchaus Erfahrung: Von ihnen stammt auch Garry's Mod, ein Physik-Experimentierkasten auf Basis der Source-Engine.

In Rust wird man in einer bergigen Wildnis ausgesetzt. Wer sich nicht gleich um einen Unterschlupf bemüht, wird die erste Nacht kaum überleben. Anders als in den meisten Open-World-Games fehlt eine Landkarte, man muss sich an markanten Punkten in der Landschaft orientieren. Computergesteuerte Frachtflugzeuge werfen in bestimmten Intervallen Ausrüstungsgegenstände und Nahrung ab; die Abwurfplätze sind besonders gefährlich, weil dort viele Überlebende auf Nachschub lauern. Und auch darauf, unbedarfte Spieler in einen Hinterhalt zu locken. Außer auf Feinde, Zombies und wilde Tiere muss man auch ständig auf seine Lebensenergie achten: Jede Aktion kostet Kraft und muss durch Nahrungszufuhr ausgeglichen werden.

Wer stirbt, wird in der Nähe des Tatorts wiederbelebt oder dort, wo er zuvor einen Schlafsack platziert hat. Beim Neustart verliert man seine Ausrüstung, behält aber die bereits gefundenen Blaupausen, nach denen man Waffen und Ausrüstung zusammenbauen kann. Wer eifrig Ressourcen sammelt und Gegenstände bastelt, erlebt einen absurd schnellen Technologiesprung vom Wackerstein bis zur Pistole mit Laserpointer. Weitaus mehr Aufwand erfordert die Konstruktion von widerstandsfähigen Festungsanlagen: Mehrstöckige Steinhäuser mit Metalltüren erfordern kooperatives Bauen.