Grübeln, schieben, weitergrübeln, schieben, fluchen, nochmal versuchen: Das mobile Spiel Threes ist ebenso simpel wie knifflig. Es geht darum, auf einem Spielfeld angrenzende Steine mit Zahlen zu addieren. Daraus ergeben sich Potenzen der Zahl Drei, mit jedem Zug rückt ein neuer Stein nach, und je mehr Steine der Spieler addiert, desto höher ist der Highscore. Mit diesem Spielprinzip ist Threes seit der Veröffentlichung Anfang Februar zum Bestseller in Apples iTunes geworden.

Bei mobilen Spielen bedeutet der Erfolg aber auch: Klone, wohin der App-Store reicht. Candy Crush hat das gezeigt, Flappy Bird vor Kurzem ebenfalls: Nachdem dessen Entwickler das Spiel zurückgezogen hatte, tauchten plötzlich Hunderte Kopien mit "Flappy" im Titel auf. Im Computerjargon nennt man das abwertend Shovelware, also "Schaufelware", die sich durch Masse statt Qualität auszeichnet.

Das Klonen von Games ist nicht neu, sondern ein wichtiger Bestandteil der Szene. Klassiker von Space Invaders bis Street Fighter, von Pac Man bis Wolfenstein 3D haben nach ihrer Veröffentlichung viele ähnliche Titel hervorgebracht. Doch es ist ein Unterschied, ob ein Spiel ein neues Spielprinzip einführt, auf das andere dann aufbauen, oder ob Spiele wie Flappy Bird bloß des schnellen Geldes wegen kopiert werden.

Vor allem der Erfolg der Casual Games, meist einfacher Spiele für mobile Geräte, hat in den vergangenen Jahren für einen Aufschwung der Klonspiele gesorgt. Nie war es offenbar so leicht und profitabel, ein Spiel zu kopieren. Das irritiert nicht nur die Nutzer, die sich immer häufiger durch einen Wust an gleichklingenden Titeln wühlen müssen. In einigen Fällen enthalten die Klone auch Schadprogramme oder dienen Betrügereien.

In anderen Fällen sorgen die Klone allerdings für kreative Auswüchse in der Netzkultur – wie im Fall von Threes und dessen Ableger 2048.

2048 Klone

2048 ist genau genommen der Klon eines Klons eines Klons. Nur zwei Wochen nach der Veröffentlichung von Threes tauchte ein Spiel namens 1024 im App-Store auf, das auf dem gleichen Spielprinzip basiert, aber andere Zahlenkombinationen verwendet. Im Gegensatz zu Threes, das 1,99 US-Dollar kostet, ist 1024 gratis: "Kein Grund, für Threes zu zahlen. Hier ist ein Geschenk für euch, und es ist kostenlos", heißt es unverhohlen in der Beschreibung.

Unter dem Titel 2048 portierte ein französischer Entwickler das Spiel anschließend in eine Browserversion. Wieder etwas später veröffentlichte der Italiener Gabriele Cirulli seine eigene Version, die einige Animationen ergänzte und heute als die ultimative Version von 2048 gilt. Nach Cirullis Angaben fanden inzwischen über 50 Millionen Partien des Puzzlespiels auf der Website statt.

Cirulli sagt, er habe das Spiel an einem Wochenende erstellt. Er wusste zu diesem Zeitpunkt nichts von der Existenz von Threes. Er gibt aber zu, dass sein Spiel bloß ein Klon von 1024 sei – und möchte deshalb auch nichts damit verdienen. Den Quellcode hat er unter die offene MIT-Lizenz gestellt, die eine freie Adaption und Verbreitung ermöglicht.

Vom Klon zum viralen Hit

Das Spiel ist inzwischen ein Internetphänomen, das sich durch zahlreiche Versionen, Mashups und Remixe auszeichnet. Es gibt Multiplayer-Versionen, irre Mathe-Versionen und Varianten, die das Spiel mit der Spielmechanik von Tetris oder Scrabble verbinden. Es gibt 3-D-Versionen, Flappy-Bird-Mashups und eine Variante mit dem beliebten Doge-Meme. Auch das Blog netzpolitik.org hat gerade eine Version mit deutschen Netzpolitikern veröffentlicht. Und natürlich hat auch 2048 inzwischen den Weg zurück auf die mobilen Geräte geschafft: Dutzende Versionen lassen sich sowohl in iTunes als auch in Googles Play Store finden.