Hat Atari im Jahr 1983 tatsächlich ganze Wagenladungen mit Modulen des Videospiels E.T. the Extra-Terrestrial in der Wüste von New Mexico verbuddelt? 

Jahrzehnte lang rankten sich die Mythen um die angebliche Entsorgungsaktion des legendär schlechten Games. Seit dem vergangenen Wochenende ist klar: Ja, so war das damals. Ein Filmteam hat die Müllhalde über Monate hinweg durchwühlt und den Fund nun gehoben. Drei Stunden lang suchten Fans und Filmemacher in einer großangelegten Film- und PR-Aktion, bevor sie die ersten Module und Disketten aus dem Wüstenstaub bargen. Ein Dokumentationsfilm über die Aktion soll im Sommer exklusiv für die Xbox erscheinen.

E.T.  ist eines der ältesten Beispiele dafür, wie man ein Videospiel kolossal in den, nun ja, Sand setzen kann. Erschienen kurz nach dem gleichnamigen Erfolgsfilm mit dem schrumpeligen Alien, wollte Atari mit E.T. richtig abkassieren. Doch in nur sechs Wochen programmiert und technisch wie inhaltlich unausgegoren, entwickelte sich das Spiel zum verdienten Millionengrab für die amerikanische Spielefirma.

Vier Millionen Exemplare ließ Atari produzieren, verkauft wurde vermutlich nur ein Viertel davon. Der Verlust, den Atari mit dem Spiel gemacht hat, wird auf rund 100 Millionen US-Dollar geschätzt. Die nordamerikanische Spielebranche fiel wenig später in eine Rezession, Atari fast in die Insolvenz, und 14 Wagenladungen mit unverkauften Spielmodulen landeten in einer Grube am Stadtrand von Alamogordo.

Auf den Müll damit!

Von ökologischen Faktoren einmal abgesehen hat Atari aber geradezu vorbildlich gehandelt. Weitere Kandidaten zum Vergraben und Vergessen hätte es in den 31 Jahren seit E.T. jedenfalls genug gegeben. Früher verbargen sich die pixelgeworden Albträume zwischen Moorhuhn-CDs und Data-Becker-Handbüchern in der EDV-Abteilung von Hertie, heute findet man sie in den Tiefen der App- und Downloadstores: Fieses Gameplay, halbgare Konzepte und peinliche Filmadaptionen aus der Retorte.

Hoffentlich nur noch wenige Spieler erinnern sich etwa an Titel wie South ParkCharlie's Angels auf dem Gamecube oder Grey's Anatomy auf der Wii. Drei Spiele, die auf erfolgreichen Film- und Serientiteln basieren und vielleicht deshalb für einen schnellen Erfolg herhalten sollten. Was folgte, war der schnelle Spott der Spieler.

Unvergessen sind auch einige große Titel aus der Entwicklerhölle. Daikatana, John Romeros größenwahnsinniger Egoshooter, brauchte noch drei Jahre nach der Ankündigung, um überhaupt das Licht des Monitors zu erblicken. Duke Nukem Forever war stolze 15 Jahre in der Planung und spielte sich noch 2011 wie ein Spiel aus den Neunzigern. Die meisten Spieler konnten nur noch in den Worten des Dukes antworten: Get that crap outta here!