Es passt irgendwie, dass sich die Videospiele-Branche zum alljährlichen Messe-Tamtam E3 in Los Angeles trifft. Ähnlich wie die Filmindustrie setzt das Games-Gewerbe verstärkt auf Fortsetzungen und vertraute Marken, stetig steigen visuelle Qualität und Produktionsbudgets seiner Blockbuster. Neben reichlich virtuellen Materialschlachten präsentierten die Spieleentwickler dieses Jahr einige originelle Experimente, neu abgemischte alte Bekannte und einen Mario-Baukasten.

Nach dem Schaukampf um die neuen Microsoft- und Sony-Konsolen im Vorjahr wirkte die E3 2014 vergleichsweise unaufgeregt. Die Spielestudios hatten viele Titel schon im Vorfeld der Messe angekündigt. Trotzdem überraschte, wie viele der Highlights erst 2015 erscheinen. In diese Kategorie gehören einige exklusive Leckerbissen, die sich nur auf einer bestimmten Konsole abspielen lassen: Der Master Chief soll's in Halo 5 für die Xbox One richten, auf den Schultern des Uncharted-4-Helden Nathan Drake ruhen die Hoffnungen der Playstation 4. Das stilvolle Open-World-Zelda könnte der Retter für die Wii-U-Verkaufszahlen werden.

Den letztes Jahr veröffentlichten Konsolen mangelt es so noch immer an zugkräftigen Games. Die Liste der Premium-Spielemarken, die sich erst 2015 wieder blicken lassen, ist ebenfalls lang: Von Star Wars: Battlefront bis Metal Gear Solid V, von Tomb-Raider-Lara bis Arkham-Knight-Batman lässt man sich Zeit.

Was sind die Trends von morgen?

Seit einiger Zeit warten Spieler darauf, dass Nintendo ins Geschäft der Nahfeldkommunikationsfigürchen einsteigt. Das hat Nintendo im Rahmen einer Videoausstrahlung am ersten Messetag offiziell bestätigt. Das Vorbild sind die Serien Skylanders und Disney Infinity, bei denen der Kauf von NFC-Chip-bestückten Spielzeugfiguren neue Inhalte und Funktionen in Videospielen freischaltet. Nintendo demonstrierte sein amiibo-Figurensystem am Beispiel des kommenden Prügelspiels Super Smash Bros. für die Wii U: Nachdem eine Mario-Figur mit dem Gamepad in Berührung gebracht wurde, tauchte das Firmenmaskottchen als Charakter im Videospiel auf.

Auffällig war auf der E3 die Anzahl der Neuheiten mit kooperativem Vier-Spieler-Modus: Ob bei den Plattform-Puzzles von Little Big Planet 3, den Attentätergrüppchen von Assassin's Creed Unity oder der Heldenschar in Fable Legends, die Quartett-Bildung ist das Gebot der Stunde. Spiele wie Evolve oder Nintendos Splatoon setzen ohnehin ganz auf Mehrspielerpartien.

Die Entwickler bedienen sich im Spiele-Altersheim

Mit den Virtual-Reality-Brillen von Facebook (Oculus Rift) und Sony (Project Morpheus) setzen gleich zwei Konzerne auf die Zukunft virtueller Realität. Verursachten die Brillen in den neunziger Jahren noch Nackenstarre und Kopfschmerzen, sorgen ausgefeilte Lagesensoren und moderne Displays heute dafür, dass der Anwender weitgehend schmerz- und schwindelfrei in 3-D-Welten versinken kann. Um die Prototypen mit Demo-Software scharten sich in L.A. Menschentrauben. Komplexe Spiele werden bislang noch nicht für die Brillen entwickelt.

Ungewohnte Ausmaße nimmt die Plünderung der Spiele-Altersheime an. So präsentierte Microsoft für die Xbox One überarbeitete Versionen der Halo-Serie. Sony recycelt für die Playstation 4 sein vielleicht bestes PS3-Spiel The Last of Us in einer aufgehübschten Remastered-Version. Pioniere wie das Action-Rollenspiel Gauntlet und das notorisch gewalttätige Mortal Kombat werden ebenfalls mit neuen Fortsetzungen bedacht. Sogar das Comeback des Ego-Shooter-Pioniers Doom ließ sich mit einem ersten, wenig aussagekräftigen Trailer blicken.