Im Spiel kommen gleich mehrere Pistolen des Unternehmens aus Oberndorf am Neckar vor. Soweit bekannt, ist Warfighter damit das erste und bisher einzige Videospiel, das Heckler & Koch offiziell unterstützt hat. Denn ansonsten scheint das Unternehmen es stillschweigend zu dulden, dass seine Produkte in so gut wie jedem Shooter vorkommen. Heckler & Koch hat seine Waffen offenbar absichtlich nicht in der entsprechenden Warenkategorie markenrechtlich geschützt – dadurch hat das deutsche Unternehmen einen Werbeeffekt und muss sich gleichzeitig nicht öffentlich für die Unterstützung von "Killerspielen" rechtfertigen.

Videospielhersteller können Heckler & Koch-Waffen heute bedenkenlos in Spielen abbilden und müssen dafür auch nichts zahlen. Zumindest den Waffenhersteller aus Oberndorf am Neckar finanzieren die Spielerinnen und Spieler beim Kauf von EA-Produkten also nicht mit. Für Medal of Honor – Warfighter kooperierte EA aber gleich mit einer ganzen Reihe von Militärunternehmen und präsentierte die Zusammenarbeit stolz und teilweise in aufwendigen Werbevideos auf der offiziellen Website des Spiels. Ob und wenn ja, wie viel Geld sich der Videospielhersteller die Kooperationen hat kosten lassen, ist nicht bekannt. In einem Fall ist es aber sehr offensichtlich, dass Lizenzen (nachträglich) erworben wurden.

Heckler & Koch akzeptiert Darstellung seiner Waffen

Mit dem US-Rüstungskonzern Bell Helicopters beziehungsweise dessen Mutterkonzern Textron einigte sich Electronic Arts 2013 außergerichtlich, nachdem den Rüstungskonzern die Darstellung seiner Militärvehikel im Shooter Battlefield 3 gestört hatte. Bis dato hatte EA für die gezeigten Bell-Hubschrauber und Flugzeuge keine Lizenzgebühren bezahlt. Dass bei der geheimen Einigung kurz vor einem Gerichtsprozess zum Fall Geld floss, ist wahrscheinlich, nachprüfbar ist das alles aber nicht.

Sowohl die Spielehersteller als auch die Rüstungsunternehmen halten sich zu eventuellen Kooperationen bedeckt: Transparenz? Fehlanzeige. Als Spieler von Militär-Shootern kann man sich heute nicht sicher sein, mit seinem Kauf über den Weg der Lizenzvereinbarungen nicht auch Waffenhersteller finanziell zu unterstützen. Zumal die unterschiedlichen Akteure einen sehr unterschiedlichen Umgang mit dem Thema pflegen: Während sich etwa Bell/Textron über fehlende Lizenzierungen beschwerte, scheinen andere Hersteller wie Heckler & Koch die Darstellung ihrer Waffen wohlwollend auch ohne offizielle Lizenzierungen zu akzeptieren.

Im Idealfall wäre es möglich, eine originalgetreue virtuelle Nachbildung der Realität in allen Spielen erschaffen zu dürfen, ohne als Software-Hersteller dafür Gebühren bezahlen oder sonstige Kooperationen vereinbaren zu müssen. Dies ist beim heutigen Umgang mit "geistigem Eigentum" aber illusorisch, denn das ist eine Ware wie jede andere auch und dient der Gewinnmaximierung. Und so führen Lizenzen in Videospielen heute zu allerlei Chaos, Absurditäten, Störung der Immersion und zur ungewollten Finanzierung von Unternehmen und Organisationen – zulasten der Verbraucher.

Gekürzt. Eine längere Fassung dieses Artikels ist in der aktuellen Ausgabe des Game-Bookazines WASD erschienen.