Bislang galt Grand Theft Auto V als teuerstes Computerspiel der Welt. Rund 270 Millionen US-Dollar haben Entwicklung und Marketing gekostet. Laut Bobby Kotick, dem Chef von Activision Blizzard, wurde diese Summe nun vom Online-Shooter Destiny übertroffen: 500 Millionen US-Dollar habe das Tochterunternehmen Activision in die neue Spielemarke investiert.

Das klingt zunächst nach übertrieben viel Geld für eine letztlich recht gewöhnliche Mischung aus Ego-Shooter und MMORPG. Destiny ist angesiedelt in einem riesigen Sciene-Fiction-Szenario. Das Sonnensystem wurde von Aliens überrannt, der Menschheit droht der Untergang. In der Rolle eines sogenannten Hüters gilt es nun, die Invasoren auf Erde, Mars oder Mond zu bekämpfen. Die Story tritt schnell in den Hintergrund und ist nach gut 30 Spielstunden beendet. Anschließend geht es wie in den meisten Online-Rollenspielen vor allem darum, seinen Charakter, den man aus drei verschiedenen Klassen wählt, stetig weiterzuentwickeln. Destiny setzt stark auf Kooperation: Gemeinsam feiert man schneller Erfolge und bewältigt spezielle Gruppen-Beutezüge. Auch wenn man allein spielen will, muss man im steten Onlinekontakt zum Server stehen. Die ersten Rezensionen sind gut, aber nicht euphorisch: Die opulente Grafik und die gute Spielbarkeit werden gelobt, die repetitiven Aufgaben, die mäßig originelle Geschichte und die oft sterile Spielwelt werden kritisiert. Das soll eine halbe Milliarde wert sein und vor allem noch mehr Gewinn bringen?

Roy Stackhouse, General Manager bei Activision für Großbritannien und Irland, betonte im Gespräch mit dem britischen Onlineportal Computer and Video Games, die 500 Millionen Dollar umfassten die Gesamtkosten des auf zehn Jahre ausgelegten Destiny-Franchise: Neben der Entwicklung, an der rund 500 Bungie-Mitarbeiter beteiligt sind, seien darin auch die Ausgaben für Vermarktung, Herstellung, Server und Wartung enthalten.

Unter diesem Gesichtspunkt relativiert sich Activisions Multimillioneninvestment ein wenig. Trotzdem ist es eine beachtliche Menge Geld und Aufwand, die das Unternehmen in das Projekt pumpt. Man heuerte Schauspieler wie Peter Dinklage aus Game of Thrones für die Sprachausgabe an, und selbst Paul McCartney war nicht zu teuer, er steuerte zu Destiny einen Teil des Soundtracks sowie seine neue Single bei.

325 Millionen Dollar in fünf Tagen?

Doch Activision kann es sich leisten. Mit dem Figurensammelspiel Skylanders und dem Kriegsshooter Call of Duty hat man bereits zwei Größen im Programm, die Millionengewinne erwirtschaften. Ganz zu Schweigen von den hochprofitablen Marken der Mutterfirma, darunter World of Warcraft, Diablo und das Free-to-Play-Kartenspiel Hearthstone mit seinen 20 Millionen Fans. Kein Wunder, dass Activision Blizzard dem Wirtschaftsmagazin Forbes zufolge im Juli 2014 mit einem Börsenwert von 16,4 Milliarden US-Dollar notiert war. 

Bescheidenheit ist dann auch nicht die Sache von Activisions Geschäftsführer Eric Hirshberg. Schon vor einem Jahr sprach er Destiny das Potenzial zur Milliarden-Dollar-Marke zu. Er dürfte sich freuen: Bereits am ersten Verkaufstag konnte Activision weltweit durch den "Verkauf in den Einzelhandel und an Konsolenhersteller" 500 Millionen Euro Umsatz erzielen. Dies sei "der erfolgreichste Start einer neuen Videospielmarke aller Zeiten", heißt es in der Pressemitteilung.

Manche rechnen mit 15 Millionen verkauften Exemplaren bis Jahresende

"Sehr ordentliche Zahlen", sagt etwas zurückhaltender der langjährige deutsche Spieleentwickler Teut Weidemann (Panzer Elite, Die Siedler Online). "Aber auch PR vom Feinsten. Das ist ja nicht das, was Activision durchverkauft hat – die 500 Millionen Euro sind der Endkunden-Umsatz. Das ist Sell In, also das, was der Handel im Regal stehen hat. Das heißt nicht, dass die Exemplare alle verkauft sind."

Mittlerweile teilt das Unternehmen mit, in den ersten fünf Tagen 325 Millionen Dollar an Abverkäufen erzielt zu haben, diese Zahl beruht aber unter anderem auch auf eigenen Schätzungen und ist deshalb mit Vorsicht zu genießen.