Einer der bekanntesten Helden der Videospielgeschichte befindet sich auf Abwegen. Normalerweise erforscht Link riesige Fantasy-Welten, löst Rätsel und kämpft gegen Schergen, um Prinzessin Zelda zu befreien. Doch in dem gerade erschienenen Hyrule Warriors auf der Wii U metzelt sich Link durch Heerscharen von austauschbaren Feinden: ohne Rätsel, ohne Dungeons und mit einer Story, die nur als Lückenfüller zwischen den Schlachten dient.

Nintendos Ausflug ins Hack 'n' Slay-Genre ist ebenso seicht wie unterhaltsam, und passt zur gegenwärtigen Übergangsphase des Konzerns: Knapp zwei Jahre hat Nintendo vergeblich versucht, mit der Heimkonsole Wii U an den Erfolg des Vorgängers Wii anzuknüpfen. Rund sieben Millionen Wii U wurden verkauft – das sind weniger, als Nintendo sich ursprünglich erhofft hatte, und noch viel weniger als die 100 Millionen verkauften Wii.

Dass die neue Konsole so schlecht startete, hatte viel mit den fehlenden Exklusivtiteln zum Start zu tun. Später kamen zwar tolle Spiele wie Pikmin 3, Super Mario 3D World oder das neue Donkey Kong Country hinzu. Doch erst mit dem Rennspiel Mario Kart 8 im Mai 2014 gelang es Nintendo, die Wii-U-Verkäufe deutlich zu steigern.

Das nun veröffentlichte Hyrule Warriors ist allerdings kaum mehr als ein Pausenfüller vor den nächsten Großproduktionen. Die Hexen-Action-Orgie Bayonetta 2 erscheint am 24. Oktober, ein vollwertiges Zelda-Abenteuer erst im nächsten Jahr. Dazwischen aber debütiert ein Spiel, das – wenn die Marktforscher recht behalten – Nintendo eine neue Geldquelle erschließt.

Mit Smart Toys zum Erfolg

Die Rede ist vom Hybridspiel Amiibo. Die kleinen Sammelfiguren aus Plastik verkörpern bekannte Nintendo-Charaktere wie Mario, Samus Aran oder Pikachu. In ihrem Innern befindet sich ein Chip, der Nahfeldkommunikation (NFC) beherrscht – sie können also per Funk Daten mit der Wii U austauschen und auch Spielstände speichern. Stellt man eine Figur auf das Gamepad der Konsole, erscheint wenig später ihr virtuelles Pendant auf dem Bildschirm.

Dieses Prinzip ist keineswegs neu: Publisher Activision hat mit seinen Skylanders-Figuren seit 2011 Unsummen verdient, auch Disney knackte mit Infinity kürzlich die Umsatzmarke von einer Milliarde US-Dollar. Nun will also auch Nintendo ein möglichst großes Stück vom Smart-Toy-Markt erobern. Ähnlich wie Disney verfügt es vom Start weg über massentaugliche Marken. Die ersten zehn Amiibo-Figuren sollen noch 2014 erscheinen, zusammen mit dem Spiel Super Smash Bros., in dem sich Nintendo-Charaktere gegenseitig vermöbeln. Für die Mobilkonsole 3DS wird Nintendo einen speziellen NFC-Adapter herausbringen. Die Figuren können dann auf beiden Konsolen eingesetzt werden – und, anders als bei der Konkurrenz, in vielen verschiedenen Spielen.

Noch Anfang 2014 schien Nintendo hoffnungslos in der eigenen Vergangenheit gefangen. Drei Jahre in Folge hatte der Konzern Verluste geschrieben, was die Anleger sichtlich nervös machte. Auf Firmenchef Satoru Iwata prasselten Forderungen ein, die Konzernstrategie grundlegend zu ändern. Eine der Forderungen war, beliebte Spiele wie Super Mario oder Zelda auf Smartphones und Tablets zu bringen.