Der Schrecken ist ein kleiner grüner Punkt. Oft wandert er, schwach pulsierend, über den Bildschirmrand des Bewegungsmelders. Kommt er jedoch näher, wird das Piepsen lauter, dann ist Eile geboten: Ein Versteck muss her, ein Wandschrank oder ein Schreibtisch, unter dem man sich verkriechen kann. Wer sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringt, wird gepackt, durchbohrt und in Stücke gerissen. Von einer geifernden, vier Meter großen Tötungsmaschine.

Das Spiel Alien: Isolation, das am morgigen Dienstag (für PC, PS3, PS4, Xbox One und Xbox 360) erscheint, basiert auf dem ersten der vier Alien-Filme. Ridley Scotts Werk von 1979 war ein Meilenstein des Horror- und Science-Fiction-Kinos: ein kalt glänzender Albtraum, in dem ein Wesen aus den Tiefen des Weltalls eine Raumschiffbesatzung langsam und gnadenlos dezimiert. Der Nachfolger Aliens von 1986 schlug ganz andere Töne an: Regisseur James Cameron schickte waffenstarrende Space Marines in den Kampf gegen einen ganzen Xenomorph-Schwarm. Camerons Film hat das Shooter-Genre nachhaltig beeinflusst – und auch einige der meist mittelmäßigen Lizenzspiele. Ballerorgien wie Aliens: Colonial Marines hatten so gar nichts von dem Schrecken, den ein einzelnes, nahezu unbesiegbares Monster verströmt. Alien: Isolation bringt das Grauen des ersten Films mit ungeheurer Wucht zurück.

Die Handlung setzt 15 Jahre nach dem Film ein. Spieler schlüpfen in die Rolle von Amanda Ripley, deren Mutter Ellen seit den Ereignissen auf der Nostromo verschollen ist. Als Ingenieurin arbeitet Amanda für die Firma Weyland-Yutani, der auch die Nostromo gehörte. Amanda hat die Suche nach ihrer Mutter nie aufgegeben. Als sie erfährt, dass der Flugschreiber des Raumschiffs gefunden wurde, lässt sie sich zur Teilnahme an einer Aufklärungsmission überreden. Der Nostromo-Flugschreiber soll sich auf der entlegenen Raumstation Sewastopol befinden. Ripley bricht mit einem fünfköpfigen Team dorthin auf.

Es dauert jedoch nicht lange, bis die Dinge aus dem Ruder laufen. Beim Andocken an die Sewastopol wird Ripley von ihren Gefährten getrennt und muss sich fortan alleine durchschlagen. Was nicht einfach ist, weil auf der Raumstation Verfall und Anarchie herrschen. Die meisten Bewohner sind bereits geflohen, die übrigen ziehen plündernd umher und auch die verbliebenen Arbeiterandroiden legen ein offen feindliches Verhalten an den Tag. Wie das Chaos begann, erfährt Amanda zunächst nicht. Man ahnt allerdings: Es hat mit dem Monster zu tun, dass sich auf der Sewastopol herumtreibt.

Isolation lässt Spieler in eine retrofuturistische Welt eintauchen, wie sie stimmiger nicht sein könnte. Beigefarbene Korridore münden in fensterlose Mannschaftsquartiere. An den Kontrollbrücken fällt Sternenlicht durch riesige Panoramafenster auf vorsintflutliche Terminals mit Monochrombildschirmen.

Auch das Alien wird überaus gekonnt inszeniert. Schon bevor es seine Jagd auf Amanda beginnt, spürt man seine unheilvolle Nähe. Es poltert und rumort in den Luftschächten, die weite Teile der Raumstation durchziehen. Geräusche spielen in Isolation eine tragende Rolle, viele davon wird man so bald nicht vergessen. Etwa das bösartige Zischen, mit dem sich das Monster aus einer Schachtöffnung schält. Oder das dumpfe Trampeln, mit dem es über den Metallboden der Gänge sprintet. Doch nicht nur dem Spieler helfen Geräusche bei der Ortung. Das Monster selbst besitzt ein messerscharfes Gehör. Es nimmt Amandas Schritte selbst aus größerer Entfernung wahr, weshalb man nach Möglichkeit schleichen sollte. Schläge, Schüsse oder auch das Öffnen von Türen ziehen das Alien unweigerlich an. Es durchsucht dann einen Raum nach dem anderen. Wird man entdeckt, gibt es keine Fluchtmöglichkeit mehr.

Selten hat man sich als Spieler so exponiert gefühlt

Früh im Spiel findet Amanda einen Motion Tracker: Das simple Ortungsgerät kam schon im ersten Alien-Film zum Einsatz. Für Spieler wird es zum überlebenswichtigen Instrument, denn es registriert Bewegungen auch durch Wände und Decken. Leider hat die Sache einen Haken: Das Gerät zeigt die Entfernung und die Position der Bewegung nur in einem 90-Grad-Winkel vor Amanda an. Bewegungen neben oder hinter ihr lösen zwar ebenfalls Alarm aus, doch das reicht bei weitem nicht, um alles permanent im Blick zu behalten. Der häufige Einsatz des Motion Trackers ist zwar durchaus ratsam. Allerdings verlangsamt er das Fortkommen deutlich und kann die eigene Position auch durch sein Piepsen verraten.

Schon in den ersten Stunden baut Isolation eine nervenzerfetzende Spannung auf. Selten hat man sich in einem Computerspiel so exponiert gefühlt. Das Katz- und Maus-Spiel mit dem Alien ist Survival-Horror in seiner reinsten Form. Mit Tracker und Gehör versucht man zu erahnen, aus welcher Richtung das Monster angreifen könnte und gleicht seine Manöver mit der Levelkarte ab. Die Furcht wird indes zur Panik, wenn man gerade einen Türcode eingibt, im Rücken aber schon das Alien hört.

Manchmal hilft nur noch Luftanhalten

Diese permanente Bedrohung ist lehrreich. Bald sucht man jeden Gang, jedes Labor und jedes Mannschaftsquartier instinktiv nach Versteckmöglichkeiten ab. Ist das Monster im Jagdfieber, kann auch der obligatorische Wandschrank zur tödlichen Falle werden. Das Biest steht dann schnuppernd und horchend vor der Schranktür – wer nicht die Luft anhält, ist sofort tot. Manchmal kann das Alien aber auch nützlich sein. Etwa dann, wenn man es in Richtung einer Plünderer-Horde lockt.

Neben dem Alien sind es vor allem die Androiden, die das Überleben erschweren. Aus technischer Sicht sind sie dem Androiden Ash aus dem ersten Alien-Film klar unterlegen. Mit ihren maskenartigen Gesichtern und glühenden Augenlämpchen ähneln sie eher Schaufensterpuppen als Robotern. Genau das macht sie aber auch so unheimlich.