Eine unbeschwerte Jugend war Ralph H. Baer nicht vergönnt: Der am 8. März 1922 im pfälzischen Rodalben geborene spätere Vater der Videospiele musste 1938 mit seiner Familie nach New York flüchten, weil er jüdisch war – zwei Monate vor der Reichspogromnacht im November 1938. Wenig später wurde Baer dann während des Zweiten Weltkriegs von der US-Army in London stationiert. Baer ist nun am 6. Dezember 2014 im Alter von 92 Jahren in Manchester (US-Bundesstaat New Hampshire) gestorben.

Bekannt ist Baer vor allem für die von ihm entwickelte Videospielkonsole Magnavox Odyssey. Der 1968 entwickelte Prototyp Brown Box gilt als erste Konsole überhaupt – das Gerät ist inzwischen im National Museum of American History des Smithsonian Institutes in Washington ausgestellt. Ein Nachbau ist im Computerspielemuseum Berlin zu sehen.

Das 1972 in den USA veröffentlichte Magnavox Odyssey verfügt weder über Arbeitsspeicher noch über eine CPU, sondern verwendet Logikschaltungen mit 40 Transistoren und 40 Dioden. 1973 kam es auch in Deutschland auf den Markt. Das Gerät war eine der Blaupausen für spätere Konsolen etwa von Atari.

Die zweite große Erfindung von Baer ist das seit 1978 bis heute für rund 20 Euro im Handel erhältliche Elektronikspielzeug Simon; in Deutschland hieß es lange Senso. Bei dem Spiel müssen vier verschiedenfarbige Tasten in einer bestimmten Reihenfolge gedrückt werden. Diese wird vorher durch Töne angegeben. Simon war vor allem in den achtziger Jahren beliebt und hat auf vielfältige Weise Eingang in die Popkultur gefunden.

Ralph H. Baer stand bis ins hohe Alter in engem Kontakt mit der Spielebranche, erst 2012 hat er etwa an einem Chat mit dem Computerspielemuseum Berlin teilgenommen. 2006 erhielt er vom damaligen Präsidenten George W. Bush die National Medal of Technology überreicht, die höchste Auszeichnung der USA in dieser Sparte. 2008 hat Baer im Rahmen der Game Developers's Choice Awards den Pioneer Award erhalten, seit 2010 ist er Mitglied der US-amerikanischen National Inventors Hall of Fame.

Ein lesenswertes, ausführliches Porträt hat Ars Technica im Jahr 2013 veröffentlicht.