Telltale setzt Spieler dabei gehörig unter Druck: Für Antworten und Handlungen bleiben stets nur wenige Sekunden Zeit, das verleiht den Entscheidungen eine ungeheure Wucht. In Life is Strange hingegen sind die Entscheidungen nicht endgültig, weil Max die Zeit zurückdrehen kann. Gegenstände, die sie an sich nimmt, machen die Zeitreise mit. Weiter als bis zur letzten Schlüsselszene kann Max allerdings nicht zurückreisen, sie wird dann von Schwindelgefühlen überwältigt. Ein spielerischer Kunstgriff, der völlige Beliebigkeit verhindert.

Dennoch stellt sich natürlich die Frage: Wie viel Spannung erzeugt ein Spiel mit Rückspulfunktion? Die Antwort lautet: erstaunlich viel! Die Gamedesigner von Dontnod Entertainment (Remember Me) waren sich der Gefahr bewusst, die revidierbare Entscheidungen mit sich bringen. Deshalb gibt es in Life is Strange viele Situationen, in denen der kurzfristige Nutzen zwar offensichtlich, die langfristigen Folgen aber bestenfalls erahnbar sind. Steht Max ihrer Freundin Chloe gegen deren Stiefvater – einem Ex-Marine – bei? Oder bleibt sie lieber in ihrem Versteck im Wandschrank, um den Paranoiker auch künftig unerkannt beschatten zu können?

In solchen Situationen sorgt die Rückspulfunktion für viel Spannung: Statt sich spontan entscheiden zu müssen, überlegt man fieberhaft hin und her, welche Auswirkungen die Entscheidung haben könnte. Die Gegenstandsrätsel, die Spieler in Episode eins mittels Rückspulfunktion lösen müssen, sind allerdings zu einfach. Mal geht es um die Kombination bestimmter Werkzeuge, dann wieder um das Auslösen leicht vorhersehbarer Kettenreaktionen.

Life is Strange beginnt vielversprechend. Welchen Einfluss bestimmte Entscheidungen auf die übergeordnete Handlung haben werden, lässt sich zwar noch nicht sagen. Doch mit seiner dichten Atmosphäre und glaubwürdigen Charakteren macht das Spiel definitiv Lust auf mehr.