Der amtierende YouTube-König heißt Felix Arvid Ulf Kjellberg, auch genannt PewDiePie. Er thront auf einem quietschenden Bürostuhl, seine Gefolgschaft nennt sich Bro Army und sie ist gewaltig. 37 Millionen Menschen zählt sie, um nicht ganz genau zu sein. So viele Abonnenten hat der Kanal von PewDiePie und damit liegt er weit vor den Vasallen der traditionellen Unterhaltungsbranche wie Rihanna oder Taylor Swift. Niemand in der Geschichte von YouTube hatte jemals mehr Abonnenten, niemand mehr Videoabrufe als der 25-Jährige aus Göteborg, der Teil der sogenannten Let's-Play-Szene ist: Er spielt Videospiele und kommentiert sie für seine Zuschauer.

Für YouTube-Stars wie PewDiePie gilt wie überall im Netz: Fans in Form von Likes sind eine Währung, aber selbst wenn in den sozialen Netzwerken kein Fan mehr die "Abonnieren"- und "Gefällt mir"-Buttons klicken würde, blieben immer noch die Kritiker und Krakeeler, neudeutsch Hater, übrig. Sie sind immer da, als anonymer Bodensatz in den Kommentarspalten und Blogs, auf Facebook und Twitter. Und wenn sie bei einer Sache noch weniger Spaß verstehen als sonst, dann bei Geld.

PewDiePie hat Geld, eine ganze Menge sogar, wenn die Berichte des schwedischen Boulevardblatts Expressen stimmen. Das hat vor einigen Tagen veröffentlicht, wie viel PewDiePie im vergangenen Jahr mutmaßlich verdient hat: Einen Umsatz von 63,7 Millionen Schwedischen Kronen soll er angegeben haben, das entspricht ungefähr 6,8 Millionen Euro. Vor Steuern, versteht sich.

Das digitale Abendland endet nicht in Schweden

Das ist trotzdem eine Menge Holz und eignet sich deshalb prächtig zum Flamen, wie es auf YouTube und in Videospielen heißt. Kaum kursieren PewDiePies Einnahmen im Netz, kommen sie vor den Bildschirm gekrochen: die Trolle, die Hater, die Neider und die Apologeten der Hochkultur, für die YouTuber ohnehin nur pickelige Halbstarke oder rougebackige Modetröten sind und für die hinter dem Phänomen Let's Play keine echten Gamer stecken.

Sie fragen: Was, bitteschön, hat dieser PewDiePie geleistet, um so viel Kohle zu verdienen? Seit gerade einmal fünf Jahren macht er Videos, in denen er kaum mehr macht als auf dem Allerwertesten zu hocken, Videospiele zu spielen und seinen Bildschirm anzubrüllen. Mit genug fuck und shit, Fäkalhumor und geschmacklosen Witzen, um ganze Mittelstufen zu versorgen. Mit seinen blauen Augen und dem Dreitagebart, den junge Mädchen anhimmeln. Wieso bekommt der Typ Millionen, wo es doch ganz andere, viel talentiertere, witzigere YouTuber gibt? Und dann hat er auch noch die Chuzpe, seinen Kritikern zu antworten, einzelne Kommentare vorzulesen und völlig ironiefrei zu sagen, dass für ihn "Geld nicht alles sei" und er sich ja auch gemeinnützig engagiere und die ganze Videosache immerhin viel Zeit in Anspruch nehme.

PewDiePie liest Kommentare von Hatern vor. © Screenshot via Kotaku

Gewiss, über Geschmack lässt sich streiten, und PewDiePies künstlerisches Schöpfen, diese Mischung aus affektiertem Geplapper und machomäßiger Bro-Attitüde ist für die meisten Menschen ebenso anstrengend wie unverständlich, sicherlich kritisierbar und in jedem Fall kurios. Doch Neid oder gar Hass über die möglichen Einnahmen aufkommen zu lassen, ist und bleibt die billigste Stufe der Kritik. Der Ausdruck "der verdient das nicht" ist das Mantra kleingeistiger Reaktionäre, auf das eigentlich nur noch die Stammtisch-Rechtfertigung "das wird man ja wohl noch sagen dürfen" folgen kann.

Die Hater vergessen, dass die größten Unterhalter wie überall in der Branche auch auf YouTube die dicksten Portemonnaies haben. Vor allem vergessen sie, wieso ein YouTuber wie PewDiePie überhaupt an so viel Geld kommt: Jeder einzelne Videoabruf zählt und wer fast zehn Milliarden Abrufe generiert, darf sich über entsprechende Einnahmen freuen. Auf keiner anderen Unterhaltungsplattform ist die Verbindung aus Publikum und Einkommen auch nur annähernd so transparent wie auf YouTube. In keiner anderen ist es so einfach, jemanden zu ignorieren: Wer PewDiePie nicht mag und seine Videos trotzdem aufruft, wird zum Teil eines Problems, das eigentlich gar keines sein sollte.

Denn das digitale Abendland endet nicht in Schweden oder im englischen Brighton, wo PewDiePie inzwischen mit Freundin und Hund lebt. Der regierende YouTube-König ist – vermutlich – Multimillionär und das ist auch nicht schlimm. Um es mit den Worten von PewDiePie selbst zu sagen: Deal with it.