Es ist das Treffen zweier beliebter Spielemarken. Auf der einen Seite das Klötzchen-Universum Minecraft, das sich schon mehr als 70 Millionen Mal verkauft und seinen Erfinder zum Milliardär gemacht hat. Auf der anderen Seite die Abenteuer von Telltale Games, die tiefgründige Figuren zeichnen und Spieler vor emotionale Entscheidungen stellen. Minecraft: Story Mode will das Beste aus beiden Welten sein: eine packende Geschichte mit der Faszination des grenzenlosen Bauens.

Wenn das so einfach wäre. Digitale Sandkästen wie Minecraft leben von der offenen Welt den eigenen Geschichten der Spieler. Der beste Beweis sind die YouTube-Videos, in denen Minecraft-Fans ihre Abenteuer mit Monstern und Monumentalbauten dokumentieren. Aus Holz, Gestein und anderen Zutaten craften sie Werkzeuge und errichten ganze Städte, erkunden die gefährlichen Tiefen des Nether oder wagen sich bis ans Ende der Welt vor. Kein Drehbuch lenkt sie dabei in vorgegebene Bahnen.

Story Mode hingegen ist ein klassisches Telltale-Adventure vor Minecraft-Kulisse. Die Spieler treffen handlungsrelevante Entscheidungen unter Zeitdruck, absolvieren Quick-Time-Reaktionsprüfungen und lösen leichte Rätsel. Auch die serielle Erzählstruktur darf nicht fehlen: Story Mode erscheint in fünf Episoden mit je zwei bis drei Stunden Spielzeit, verbunden durch Cliffhanger und Rückblenden. Die erste Folge The Order of the Stone gibt es seit dieser Woche als Download für PC, Mac, Konsolen und Mobilgeräte – bisher nur auf Englisch, aber mit deutschen Untertiteln.

Familienfreundliche Unterhaltung

Story Mode soll familienfreundliche Unterhaltung bieten, das hatte Telltale schon vorab verkündet. Die jugendfreie Ausrichtung steht im Gegensatz zu den Spielen, die das kalifornische Studio erst so richtig bekannt gemacht haben: die Comic-Adaption The Walking Dead, das Noir-Märchen The Wolf Among Us oder auch das Adventure zum Fantasy-Hit Game of Thrones. Keines der drei Spiele spart – den Vorlagen folgend – an blutigen Szenen und deftiger Sprache; alle sind von der USK erst ab 18 Jahren freigegeben.

Story Mode hat USK 6, entsprechend harmlos sind Figuren und Handlung. Im Schnelldurchgang lernen die Spieler die jugendliche Hauptfigur Jesse kennen, die wahlweise eine Frau oder ein Mann ist, was sich aber nicht auf die Erzählung auswirkt. Jesse, eine begeisterte Minecraft-Architektin, nimmt mit ihren Freunden an einem Bauwettbewerb auf dem Fantreffen Endercon teil. Ihre Freunde sind archetypische Charaktere, wie man sie auch aus Abenteuerfilmen wie The Goonies kennt: Axel ist ein etwas tumber Kraftprotz mit gutem Herz, Olivia eine nörgelnde, aber loyale Freundin. Dazu gesellen sich noch die abenteuerlustige Petra und der smarte Lukas, der eigentlich zu einer rivalisierenden Baumeister-Bande gehört. Den Knuddelfaktor erhöht Jesses Hausschwein Reuben, das bei allen Abenteuern mit dabei ist.

Sämtliche Figuren sind gekonnt synchronisiert und – obwohl aus Klötzchen bestehend – sehr ausdrucksstark: Geweitete Augen oder zusammengezogene Augenbrauen reichen, um ihre Gefühle zu transportieren. Die Spielwelt basiert auf der Minecraft-eigenen Engine und kommt dem Original recht nahe. Nur dass sie eben nicht frei begehbar, sondern in eng umgrenzte Bereiche mit festen Kameraperspektiven unterteilt ist. Die Interaktionsmöglichkeiten beschränken sich stets auf wenige Orte, die zudem bereits gekennzeichnet sind.