Fast immer wenn ich in den vergangenen Jahren in einem großen Elektronikfachmarkt landete, schlenderte ich durch die Computerabteilung. Gleichermaßen fasziniert wie amüsiert blickte ich auf Dutzende Tastaturen und Mäuse für die Zielgruppe "Gamer". Ich entdeckte Tastaturen mit mechanischen Tasten, die leuchteten wie ein Weihnachtsbaum und eigene Displays hatten. Ich betrachtete Mäuse, die wie ein kleines Batmobil aussahen und mit leistungsfähigen Lasern warben. Anschließend ging ich vergnügt nach Hause zu meiner circa zehn Jahre alten – und ziemlich exzellenten – Logitech-Maus und dachte: Mehr als fünf Tasten braucht niemand.

Dann begann ich, Mobas wie Dota 2 zu spielen. Und plötzlich erschien mir die Gamer-Peripherie nicht mehr ganz so abseitig. Die eigenen spielerischen Unzulänglichkeiten konnte ich mir nur damit erklären, dass ich einfach das falsche Equipment habe, allem voran eine Maus, die einfach nicht genug Tasten hat, um die zahlreichen Fähigkeiten, Items und Befehle im Spiel möglichst schnell aktivieren zu können.

Zeit für einen Test also. Vor Kurzem präsentierte der Hamburger Hersteller Roccat die Nyth – eine Maus, die gezielt für MMOs wie World of Warcraft oder eben Mobas wie Dota oder League of Legends konzipiert ist. Ähnlich wie die Razer Naga oder die Logitech G600 bietet sie zwölf Daumentasten, hat aber eine Besonderheit: Die Tasten lassen sich nicht bloß per Software belegen, sondern auch individuell umstecken. Die Roccat Nyth ist, um es mit dem Trendwort der Technikbranche zu sagen, modular.

Austauschbare Seitenteile

Zunächst zum Aussehen und Handling. Wer wie ich jahrelang eher schlanke Mäuse nutzte, dürfte sich bei den ersten Versuchen mit der Nyth fühlen, als hätte er einen Backstein in der Hand: Die Daumentasten brauchen natürlich Platz, weshalb die Maus zwar nicht wirklich schwer, aber doch vergleichsweise breit ist. Sie lässt sich sogar noch breiter machen, denn das rechte Seitenteil ist mit Magneten befestigt und austauschbar. Wie ich inzwischen gelernt habe, besteht der Unterschied in der Griffhaltung, nämlich ob man lieber den Claw- oder den Palm-Griff bevorzugt.

Auffällig ist auch die Taste auf der Oberseite, die an eine Rückenflosse erinnert und nach rechts oder links bewegt werden kann, etwa mit der Innenseite des Zeige- oder Mittelfingers. Zunächst fand ich die Taste störend, nach kurzer Zeit aber konnte ich sie ignorieren. Sie ist standardmäßig für horizontales Scrollen eingestellt, kann aber auch anders belegt werden, etwa für Vorwärts- und Rückwärtsblättern im Browser.

Der Lasersensor der Nyth tastet mit bis zu 12.000 DPI ab und funktioniert problemlos auf allen getesteten Oberflächen, vom Schaumstoff-Mauspad bis hin zur blanken Ikea-Tischplatte. Zur Veranschaulichung: 12.000 DPI bedeutet, dass die Maus auf einem Bildschirm mit Full-HD-Auflösung schon bei minimalen Bewegungen über den Desktop flitzt – auf großen 4K-Displays und für sogenannte High-Sense-Gamer ein Vorteil. Alle anderen können die DPI-Zahl problemlos nach unten justieren. Spieler hingegen, die ihre Maus öfter umsetzen (Low Sense), profitieren von der Lift-Off-Einstellung: Hier können sie festlegen, ab wann der Sensor abschaltet, wenn die Maus angehoben wird.

Nach dem ersten Einstecken in den USB-Anschluss leuchten das Roccat-Logo auf der Oberseite und eine kleine Leiste am hinteren Ende auf. Farben und Blinkrhythmus können in der Konfigurationssoftware eingestellt werden. Über die Zusatzsoftware Talk FX kann ich zudem bestimmen, dass Aktionen in Spielen die Farbgebung beeinflussen – verliert etwa die Spielfigur in einem Shooter Lebensenergie, verändert sich das LED von grün zu rot. Wie das die Spieler sehen sollen, wenn ihre Hand auf der Maus aufliegt, ist mir nicht ganz klar. Ich habe die Lichtshow komplett deaktiviert und unter "Gimmick" abgehakt.

Alles Kopfsache

Die wichtigsten Funktionen der Nyth sind zweifelsfrei die Daumentasten. Je vier Tasten in drei Reihen haben sich bei dieser Bauweise von Gaming-Mäusen als Quasi-Standard etabliert. Ich habe deshalb zunächst diese Konfiguration getestet und fand sie vor allem ziemlich überwältigend. Meine ersten Partien mit der neuen Maus in Dota 2 waren jedenfalls recht chaotisch, immer wieder habe ich auf die falschen Tasten gedrückt und mich dabei erwischt, wie ich mit der Daumenspitze die Reihen entlanggefahren bin und gezählt habe, bis ich beispielsweise auf der dritten Taste der mittleren Reihe angekommen bin – nicht wirklich hilfreich für Games, die schnelle Entscheidungen fordern.

Nach einigen Spielen wurde es besser, und wie ich merkte, ist es weniger ein technisches als ein kognitives Problem, einzelne Aktionen oder Befehle aus dem Spiel auf einzelne Daumentasten zu legen. Während ich mir schnell merken konnte, dass ein bestimmter Befehl auf der vierten Taste oben liegt, war es bei wechselnden Items aus dem Inventar nicht immer leicht, sich die genaue Taste einzuprägen. Letztlich bleibt es eine Frage des Lernens. Bereits nach einer Woche fand ich es praktisch, einige Befehle auf die Maustasten zu übertragen, um so nicht ständig auf der Tastatur umgreifen zu müssen.