Die Rückmeldungen der Community seien für die Entwicklung von Dirt Rally extrem hilfreich gewesen. Man habe herausfinden können, was die Leute wirklich interessiert. Speziell an das Force-Feedback würden viele Rennspieler hohe Ansprüche stellen, sagt Coleman. Damit sind die am Lenkrad spürbaren Rütteleffekte gemeint, die direkt vermitteln, wenn man im Spiel gegen ein Objekt fährt oder über Schotter schlittert. Als die Spieler Codemasters mitteilten, dass sie mit dem Force-Feedback unzufrieden seien, überarbeiteten die Entwickler das System von Grund auf.

Coleman bezeichnet die Fans realistischer Rennspiele als "leidenschaftliche Connaisseurs" und betont, wie anspruchsvoll die Klientel sei. Man müsse bei einer Rallye-Simulation deshalb zuallererst erreichen, dass sie auch ohne Computergegner fasziniert: "Wir hatten uns als oberstes Ziel gesetzt, das reine Fahrerlebnis so aufregend wie möglich zu gestalten. Erst wenn das für sich allein genommen funktioniert, kannst du Uhr und Zwischenzeiten hinzufügen." Die glaubhafte Umsetzung der verschiedenen Streckenbeläge sei eine der größten Herausforderungen gewesen. "Wir verbrachten in der Prototypphase sehr viel Zeit damit, dieses Gefühl der Dichte und Bewegung einer Kiesoberfläche so akkurat wie möglich einzufangen", sagt Coleman.

Dass Spieleplattformen dank immer leistungsfähiger Hardware mehr Realismus und eine bessere Darstellung erlauben, ist für ihn Fluch und Segen zugleich. Die Spieler würden erwarten, dass alles "immer besser aussieht, sich flüssiger spielt und man immer coolere Sachen anstellen kann". Um diesen Anspruch zu erfüllen, müssten Entwickler aber immer mehr Zeit investieren, was wiederum zu höheren Produktionskosten führe.

Lust auf Realismus

Nachdem Werke wie Need for Speed, Gran Turismo und eben Colin McRae Rally um die Jahrtausendwende einen regelrechten Rennspiel-Boom ausgelöst hatten, war es in den den letzten Jahren ruhiger im Genre geworden. Das scheint sich nun zu ändern. Die Lust auf Authentizität ist wieder da – nicht nur im Offroad-Segment, auch andere Racing-Simulationen der jüngeren Vergangenheit wie Project Cars oder Assetto Corsa setzen auf Realismus.

Aber gerade Rallye-Spiele sind wieder auf dem Vormarsch. Das vor einigen Wochen für PC und Konsolen erschienene WRC 5 ist mit der offiziellen Lizenz der Rallye-Weltmeisterschaft ausgestattet und um Realismus bemüht, kann in puncto Lenkradunterstützung, Force-Feedback und Grafik aber nicht mit Dirt Rally mithalten.

Des Weiteren kommt am 29. Januar Sébastien Loeb Rally Evo (PC, PS4 und Xbox One) vom italienische Studio Milestone heraus. Das Spiel verfolgt einen ähnlich puristischen Ansatz wie Dirt Rally, entstand unter Mitwirkung des neunfachen französischen Rallye-Weltmeisters Sébastien Loeb und hat mit über 300 Kilometern an Originalstrecken und mehr als 60 Autos den größten Umfang der aktuellen Rallye-Games. Man habe man sehr von Loebs Wissen profitiert, verrät Alex Zucca, Lead Designer bei Milestone: "Er hat uns besonders bei der Umsetzung der Fahrzeugphysik und der Pacenotes unglaublich geholfen."

Sébastien Loeb Rally Evo dürfte es allerdings schwer haben, gegen Dirt Rally zu bestehen. Auch wenn der erste Fahreindruck passabel ist und die technische Umsetzung professionell wirkt – das intensive Gesamterlebnis des Codemasters-Konkurrenten wird nicht erreicht. Paul Coleman und seine Mitstreiter haben schon jetzt den Etappensieg errungen.