Der Ritter schreitet über eine Hügellandschaft, Grabsteine überall. Das Schwert in der rechten Hand, in der linken der Schild. Durch Nebelschwaden wird in der Ferne ein Gegner sichtbar – ein Hüne in Metallrüstung, bewaffnet mit einer riesigen Axt. Langsam nähert der Ritter sich. Es wurde an alles gedacht: Heiltränken. Rüstung und Waffe sind auf den Gegner ausgerichtet. Zuvor wurden Stunden damit verbracht, den Charakter vorzubereiten. Das Schwert drischt in einem mächtigen Schwung auf den Gegner ein – und macht kaum Schaden. Der Hüne holt aus, wir sind tot.

So ergeht es den Spielern regelmäßig im Action-Rollenspiel Dark Souls 3, das ab Dienstag erhältlich ist (PC, Xbox, PlayStation). Der neuste Teil der japanischen Souls-Serie ändert nichts an seinem bewährten Spielprinzip, und Teile der Spielwelt dürften den Fans der Serie bekannt vorkommen. Als eine von zehn Klassen bewegen sie sich durch eine düstere Welt aus Kerkern, Wäldern und Kathedralen. Sie sammeln und optimieren Waffen und studieren Rüstungswerte. Es folgt stundenlanges Monstermetzeln, um endlich wieder einen Level aufzusteigen. Und natürlich sterben, sterben, sterben. So lange sterben, bis es schlussendlich doch klappt mit dem nächsten, schier übermächtigen Boss.

Dark Souls gilt als letzte Bastion für sogenannte Hardcore-Gamer, als Fleißbienchen, das man sich verdienen kann, um sich von den Casual-Gamern, den Gelegenheitsspielern, abzugrenzen. Und so gibt es kaum eine Rezension, die nicht genau auf diesen Umstand hinweist. Gleichzeitig steht Dark Souls stellvertretend für die Grabenkämpfe zwischen denen, die sich selbst als Gamer identifizieren und jenen, die einfach nur spielen wollen.

Bloß kein Casual-Modus!

Je weiter Videospiele im Massenmarkt ankommen, desto größer ist die Angst vor einer mutmaßlichen Verdummung des Mediums. Als etwa Nintendos Wii 2006 mit ihrer Bewegungssteuerung und putzigen Spielen erschien, kam in Hardcore-Kreisen sofort die Angst auf, dass bald nur noch mit Fuchtelsteuerung gespielt werden muss. Der Aufstieg von Smartphones und Tablets brachte Titel wie Candy Crush hervor – sehr erfolgreich, aber eben nichts für richtige Spieler, wie es gerne heißt. Und auch auf dem PC, der Heimat der Hardcore-Gamer, gibt es Entwicklungen zu beobachten: Dass einige Veteranen von World of Warcraft lieber auf eigenen, unerlaubten Servern spielen als auf den offiziellen liegt daran, dass ihnen das Spiel zu casual geworden ist.

Die wohl größte Angst im Vorfeld von Dark Souls 3 war folglich, die Entwickler könnten es wagen, einen Easy-Mode in das Spiel zu integrieren. Einen Modus also, der es auch unerfahrenen Spielern ermöglichen könnte, die Spielereihe einmal auszuprobieren. So viel sei gesagt: Diese Funktion gibt es nicht, das Spiel ist fordernd wie eh und je. Auch wenn es Konsens unter den Spielern gibt, dass es nicht der schwerste Teil der Souls-Serie ist.

Freilich hätte so ein Modus ohnehin keinerlei negative Auswirkungen; die Hardcore-Gamer könnten sich schlicht dagegen entscheiden, das Spiel in dem Modus zu spielen. Doch was wäre dann mit der Ehre? Was wäre es noch Wert, Dark Souls 3 durchgespielt zu haben, wenn jeder Casual-Gamer jetzt ebenso dazu in der Lage wäre? In der Logik einiger Spieler wäre es ein Spiel wie jedes andere auch.