Kompetitive Onlinespiele wie League of Legends, Dota 2 und Counter-Strike haben den Ruf, dass es in ihren virtuellen Gefechten bisweilen etwas derber zugeht. Wie überall im Internet wird unter dem Deckmantel der Anonymität auch in Games gestänkert, beleidigt, getrollt und mitunter auch anderen Menschen gedroht. Einzelne Personen machen sich genau dieses Verhalten zunutze.

Einer von ihnen ist der US-Amerikaner mit dem Pseudonym Tyler1. Er spielt League of Legends (LoL) und das sogar ziemlich gut. Aber er spielt nicht bloß, um zu gewinnen. Viele seiner Spiele möchte er für seine menschlichen Mitspieler und Gegner möglichst unangenehm machen. Deshalb beleidigt er andere im Chat, klinkt sich mitten im Spiel aus oder opfert sich freiwillig den Gegnern. Er ist, wie es in der Szene heißt und er sich selbst beschreibt, toxic.

Das allein wäre nicht ungewöhnlich. Unangenehme Zeitgenossen gibt es überall, klar. Doch mit seiner Einstellung ist Tyler1 erfolgreich. Mittlerweile hat sein Kanal auf der Streamingplattform twitch mehr als 100.000 Follower. Offensichtlich gibt es eine Community, die Tyler1 gerne dabei zusieht, wie er andere Spieler beleidigt. Doch damit soll nun Schluss sein: Riot Games, der Entwickler von League of Legends, hat Tyler1 dauerhaft vom Spiel ausgeschlossen. So logisch die Entscheidung für Außenstehende scheint, so diskussionswürdig ist sie unter Spielern.

M wie Moba

M wie Moba

...vom Mod zum Mainstream

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Games-Glossar

Moba, das

steht als Abkürzung für "Multiplayer Online Battle Arena", ein Genre aus dem Bereich der Echtzeit-Strategiespiele, bei dem sich zwei gegnerische Teams aus mehreren Spielern auf einer Map (der "Arena") gegenüberstehen.

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Alle Mobas teilen sich zentrale Spielmechaniken. So unterschiedlich die einzelnen Spiele im Detail sein mögen, die Grundprinzipien sind stets ähnlich und unterscheiden sich von klassischen Echtzeit-Strategiespielen.

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Entwickler: Riot Games. Erschienen: 2009. Aktive Spieler: circa 70 Millionen pro Monat

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Tyler1 soll dauerhaft gesperrt bleiben

In der Regel vertraut Riot in League of Legends in diesen Angelegenheiten nämlich der Community. Zwar hat das Unternehmen auch in der Vergangenheit einzelne Spieler nachdrücklich ausgeschlossen. Doch meistens melden die Spieler andere, die mutmaßlich gegen die Regeln verstoßen. Dazu zählen auch Beleidigungen und absichtliches Verlieren. Ein System namens Instant Feedback entscheidet anhand der Meldungen, ob die jeweiligen Spieler bestraft werden. Zunächst nur mit einem Chat-Verbot, bei mehreren Verstößen schließlich auch mit einem kompletten Account-Ban. Das hilft nicht unbedingt: League of Legends ist kostenlos und mit einer neuen E-Mail-Adresse lässt sich schnell ein neues Konto erstellen.

Im Fall von Tyler1 hat Riot offenbar die Geduld verloren. Nachdem angeblich mittlerweile 17 seiner Accounts deaktiviert wurden, hat ihn Riot nun mit einem permanenten Bann versehen. In der offiziellen Begründung heißt es, aufgrund seiner Historie mit "verbalen Entgleisungen und dem Teilen und Kaufen von Accounts" habe man sich entschieden, Tyler1 dauerhaft zu sperren. Wie genau Riot überprüfen möchte, ob er hinter einem neuen Account steckt, ist unklar. Denkbar ist, dass man einfach seinen twitch-Stream im Auge behält und somit erkennt, ob er wieder spielt oder nicht.

Tyler1 hat die Entscheidung einigermaßen gefasst aufgenommen; womöglich hat er sie schon länger erwartet. Er spielt derweil einfach andere Games und bedankt sich für die Aufmerksamkeit. Seine Fans reagieren heftiger: Sowohl im offiziellen LoL-Forum als auch auf Reddit wird seine Verbannung diskutiert: Mehr als 6.000 Kommentare in drei Tagen kamen allein in einem einzelnen Reddit-Beitrag zusammen.

Viele Spieler begrüßen die Entscheidung von Riot. Wer bewusst Partien ruiniert und immer wieder gegen die Richtlinien verstoße, verdiene es auch, gesperrt zu werden. Und wer mehrfach auffällig wurde, sollte auch dauerhaft nicht spielen dürfen. Ein Teil der Community sieht das anders: Wieso, fragen sie, dürfen so viele andere Spieler weiterhin cheaten, trollen oder Spiele ruinieren, ohne dass Riot aktiv wird? Wann genau schaltet sich der Entwickler ein und wann überlässt er es der Community? Zumindest was die verbalen Beleidigungen angeht, scheinen viele seiner Unterstützer auch überhaupt kein Problem zu sehen.