Die nebelverhangenen Sümpfe in The Witcher, die sterile Großstadt in Mirror's Edge, das postatomare Wasteland in Fallout und die abstrakte Pixellandschaft in Hyper Light Drifter: So abwechslungsreich Videospiele sind, so verschieden sind ihre Welten. Egal ob realistisch oder gänzlich fantastisch – in einem guten Spiel bleiben die Landschaften den Gamern nachhaltig im Gedächtnis.

Seit einigen Jahren versucht eine wachsende Szene von Spielern, Künstlern und Fotografen, Momente aus Videospielen nicht nur zu erleben, sondern sie auch festzuhalten. In-Game-Fotografie nennt sich diese Kunstform und wie in der traditionellen Fotografie kommt es dabei auf die richtige Komposition und Motivauswahl sowie den richtigen Blickwinkel an. Die Bilder von In-Game-Fotografen wie Duncan Harris und James Pollock wurden mittlerweile in Ausstellungen rund um die Welt gezeigt. Die Kunst des Screenshots ist zunehmend anerkannt.

Trotzdem müssen In-Game-Fotografen in vielen Fällen erfinderisch werden, um die besten Motive zu finden. Zwar erlauben die meisten Games einfache Screenshots des Spielgeschehens, aber sie enthalten häufig ungewünschte Dinge wie das Fadenkreuz oder die Spielfigur, die einer guten Landschaftsaufnahme im Weg stehen. Auch die Auflösung und Qualität von Screenshots sind häufig nicht optimal. Einige nutzen deshalb Cheats, modifizierte Versionen des Spiels oder versteckte Konsolenbefehle, um sich und die Kamera frei in der Welt bewegen zu können und die Grafik nachträglich zu verbessern.

Geht es nach dem Grafikchip-Hersteller Nvidia, soll sich das ändern. In-Game-Fotos sollen für Gamer so alltäglich werden wie für alle anderen Schnappschüsse mit dem Smartphone. Die Lösung heißt Ansel, benannt nach dem US-Fotografen Ansel Adams, einem der einflussreichsten Landschaftsfotografen der Geschichte.

Ein Werkzeugkasten für In-Game-Fotografen

Ansel ist ein spezielles Kamerasystem für Videospiele. Spieleentwickler, die meist ohnehin schon eng mit Nvidia zusammenarbeiten, können es in ihre alten und kommenden PC-Titel integrieren, kündigten die Verantwortlichen des Chipherstellers am Wochenende an. Zu den ersten Spielen, die Ansel unterstützen, zählen The Witcher 3, das Puzzlespiel The Witness und die demnächst erscheinende Weltraumsimulation No Man's Sky. Wer über eine halbwegs aktuelle Geforce-Grafikkarte verfügt, kann Ansel in diesen Spielen nutzen.

Die Spieler bekommen dann mehrere Möglichkeiten, direkt aus dem Spiel heraus Fotos zu schießen. Wenn sie Ansel aktivieren, wird das Spiel pausiert und sie können zum einen die Kamera frei bewegen, um aus der Szene auszubrechen und Landschaft oder Spielfigur aus allen Winkeln einzufangen. Zum anderen können sie die Aufnahmen mit Filtern versehen, eigene Filter erstellen sowie die Helligkeit und den Kontrast anpassen.

Ambitionierte In-Game-Fotografen bekommen die Möglichkeit, Gigapixel-Fotos zu erstellen. Diese sind weitaus größer als gewöhnliche Screenshots, die bloß die Auflösung des Bildschirms wiedergeben; wer sie stark vergrößert, sieht schnell bloß nur noch Pixelbrei. Im Fall von Gigapixel-Fotos ist das anders. Hier ist es möglich, selbst im Hintergrund noch kleinste Details zu erkennen, wie Nvidia an einer Aufnahme aus The Witcher 3 demonstriert:

Ein Gigapixel-Bild aus "The Witcher 3" © Nvidia