Quizfrage: Wer sind Dino Dini und Jon Hare? Wer die Antwort kennt, dürfte mit einiger Sicherheit schon seit mehr als 20 Jahren Computerspiele konsumieren oder zumindest ein ausgeprägtes Interesse an der Historie digitaler Games haben. Denn die beiden Briten sind die Macher zweier Fußballspiele, die in den Neunzigerjahren das Genre prägten: Dini erschuf 1989 mit Kick Off einen Hochgeschwindigkeitskick, in dem Spieler aus der Vogelperspektive irrwitzig schnell herumwuselnde Sprites über den Pixelrasen steuerten. Hare veröffentlichte 1992 Sensible Soccer – ein Spiel, das Kick Off dank Draufsichtkamera und hohem Spieltempo ähnelte, aber mehr spielerische Finesse erlaubte.

Beide Titel zählten zu den Favoriten von Besitzern der 16-Bit-Computer Amiga und Atari ST, bekamen von ihren Schöpfern diverse Nachfolger spendiert und gelten als Klassiker des Genres. Nun kehren sie zurück: Dini und Hare, beide mittlerweile Anfang 50, wollen es noch einmal wissen.

Hare arbeitet derzeit mit seinen Kollegen vom Entwickler Tower Studios an einem "spirituellen Nachfolger" von Sensible Soccer. Er heißt Sociable Soccer. Der Engländer, der mit seinem Ex-Studio Sensible Software unter anderem auch schon Microprose Soccer sowie weitere Klassiker wie Wizball und Mega Lo Mania produziert hat, gibt sich zuversichtlich, dass der Oldschool-Ansatz von Sensible Soccer auch heute noch begeistert. 

Er ist der Meinung, dass die seit Jahren den Markt beherrschenden Spielereihen Fifa und Pro Evolution (PES) zwar eine immer "fernsehähnlichere Präsentation bieten, dem Spieler dabei aber zu viel Arbeit abnehmen und zum Beobachter degradieren".

Bei ihm komme immer das Gameplay zuerst, die Grafik sei zweitrangig, sagt Hare in einem Interview mit dem Spiele-Podcast Insert Moin. "Außerdem versuchen wir mit Sociable Soccer gar nicht erst, mit Fifa und PES zu konkurrieren. Dafür fehlen uns Budget und Manpower."

Sociable Soccer wurde der Öffentlichkeit erstmals Ende April in Aktion gezeigt. Es erinnert mit seinem schnellen Spielablauf und der Draufsicht in der Tat an seinen Vorgänger. Wie die Entwickler in einem Blogeintrag schreiben, sei die Vorabversion des Spiels bei den Besuchern einer englischen Gamesmesse auf positive Resonanz gestoßen, viele hätten insbesondere die gute Spielbarkeit in der Tradition des Originals gelobt. "Das Spiel nimmt mich in alte Amiga-Zeiten zurück", wird ein Tester zitiert.

"Kick Off Revival" zunächst nur auf der PS4

Obwohl im vergangenen Jahr eine Kickstarter-Kampagne für Sociable Soccer gescheitert ist, soll es Anfang 2017 für PC, PlayStation 4 und Xbox One erscheinen. Tower Studios befindet sich nach eigener Aussage in Gesprächen mit Publishern. Man sei optimistisch, einen Vertriebspartner für das Spiel zu finden.

Dino Dini ist schon einen Schritt weiter. Kick Off Revival, die Neuauflage seines Fußballspiel-Oldies, ist seit dem vergangenem Freitag für die PlayStation 4 erhältlich (circa 20 Euro). Versionen für andere Systeme könnten nach Ablauf der sechsmonatigen Sony-Exklusivität folgen. 

"Die Zeit für Indie-Entwickler war nie besser war als heute", sagt Dini im Gespräch mit ZEIT ONLINE auf die Frage, warum er nach seinem Ausstieg aus der Spielebranche im Jahr 2005 jetzt das Comeback wagt. Eigens dafür hat er sich eine Auszeit von seiner Lehrtätigkeit als Games-Dozent an der NHTV Breda University of Applied Sciences in den Niederlanden genommen.

Verkauf pünktlich zur EM ist wohl kein Zufall

Dank Onlinevertrieb sei es mittlerweile viel einfacher, ein Spiel zu verkaufen. Man müsse heute auch nicht auf monatlich oder wöchentlich erscheinende Magazine warten, um zu sehen, wie viele Kopien seines Spiels man verkauft habe, das könne man nun einfach online überprüfen. "Außerdem bekommst du als Entwickler im Netz ein direktes Feedback der Fans. Das ist fantastisch, das gab es früher ja gar nicht", sagt Dini. "Twitter, Twitch, Facebook – 1990 wäre mir das wie Science-Fiction vorgekommen."

Dass Kick Off Revival pünktlich zur Fußballeuropameisterschaft 2016 veröffentlicht wird, dürfte kein Zufall sein. Dementsprechend darf man dann auch die EM mit einer der 24 teilnehmenden Mannschaften nachspielen. Allerdings laufen hier wegen fehlender Lizenzen ausschließlich Spieler mit Fantasienamen auf: Thomas Müller heißt beispielsweise Tomas Mäller, Mario Götze geht als Merio Gätze auf Torjagd.

Außer dem EM-Modus hat Kick Off Revival lediglich einen Übungsmodus ohne Gegner, Freundschaftsspiele gegen den Computer oder einen Mitspieler sowie Onlineduelle gegen andere menschliche Kontrahenten nebst Rangliste zu bieten. Auch sonst müssen sich Spieler, die Lizenzen, Spielmodi und Einstellungsmöglichkeiten moderner Fußball-Games gewöhnt sind, umstellen.