Vor Kurzem hatte ein Gutachten des Berliner Abgeordnetenhauses eine Debatte darüber entfacht, ob E-Sport nun eine Sportart ist. Zuletzt wurde das Thema auf der Expertenanhörung des Berliner Sportausschusses diskutiert, die auf Antrag der Fraktionen der Piraten und Bündnis 90/Die Grünen stattgefunden hat. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, ob es für die Anerkennung als Sportart gemeinnützige Vereine geben muss. Aber wollen die aktiven E-Sportler überhaupt Vereinsarbeit? Und wem würde sie nützen?

Von "Elektrosport" spricht Heiner Brandi vom Landessportbund Berlin, wenn er sich mit dem professionellen Videospielen, dem E-Sport, und einer möglichen Anerkennung als Sportart beschäftigt. Die Argumente ähneln stark den Richtlinien des Deutschen Olympischen Sportbundes: Beim E-Sport gehe es  "um ein Spiel, das auf die Beherrschung der Soft- und Hardware ausgerichtet ist." Dabei könnten laut Brandi sicherlich körperliche Effekte hervorgerufen werden. "Allerdings glauben wir nicht, dass das eine Sportausübung ist, und deshalb beabsichtigen wir auch nicht, den Elektrosport als Sportart anzuerkennen."

Für Gespräche sei der Landessportbund aber offen. Allerdings bedürfe es dazu aber eines Verbandes und gemeinnütziger E-Sport-Vereine, die einen Aufnahmeantrag stellen könnten. Diese gibt es aber in Deutschland nicht. "Soweit wir die Szene des Elektrosports beobachten und einschätzen können, finden da in der Regel kommerzielle Veranstaltungen statt, die nichts mit der Gemeinwohlorientierung und Gemeinnützigkeit zu tun haben", sagt Brandi.

Das Henne-Ei-Problem

Braucht es also zuerst die gemeinnützigen Vereine oder die Anerkennung von E-Sport, die Vereinen die Gemeinnützigkeit bescheinigen würde? Laut Jan Dominicus vom Team Mousesports hat die Profiszene bisher einfach gar keine Notwendigkeit für einen Verband gesehen und habe hier "eine Menge Nachholbedarf".

"Ich vermute, es fehlt die Motivation der Aktiven, sich einen Verband, ein allgemeingültiges Regelwerk und ein Ligen-System zu erschaffen", sagt Dominicus. Es sei nicht so, dass das abgelehnt wird und die Leute kein Interesse an den Verbänden hätten. Vorzüge eines Verbandes wie Spielflächen, Spielgeräte oder Organisation seien beim E-Sport aber oft schon gegeben.

Ganz anders sieht das Philip Brülke von der Berliner Gaming-Bar Meltdown. Er veranstaltet regelmäßig Amateurturniere und hat einen anderen Blick auf die Szene. Durch fehlende Verbände und Vereine gebe es "keine oder geringe Möglichkeiten für junge Spieler, für Leute, die gern in den Profibereich des E-Sports wollen, dort einzusteigen, außer sich aus eigener Kraft zu Hause hinzusetzen und alles andere beiseitezulassen". Spielern würden Trainingsräume fehlen, um geregelt mit einem festen Team an den eigenen Leistungen zu arbeiten. Amateurteams seien oftmals sehr lose und blieben selten über längere Zeiträume bestehen. Mit klaren Strukturen könnte dem entgegengewirkt werden.

Strukturierte Amateurarbeit gesucht

Eine strukturierte Amateur- und Jugendarbeit im E-Sport würde auch Dominicus vom Team Mousesports befürworten. Allerdings sieht er weniger die großen Teams in der Verantwortung. Mousesports sei "natürlich ein profitorientiertes Unternehmen, und bis jetzt ist so eine Art von Jugendarbeit, was Räumlichkeiten und Trainer angeht, einfach nicht wirtschaftlich für uns".

Eines ist Dominicus aber wichtig: Die Profiteams würden bei einer Anerkennung des E-Sports keine Fördermittel oder geldwerte Mittel einstreichen wollen. Stattdessen sei es den Teams wichtig,  "die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass wir professionell arbeiten können und unsere Spieler immer eine sichere Aufenthaltsgenehmigung für die Dauer eines Wettkampfs haben. Dazu kommen wahrscheinlich noch arbeitsrechtliche Fragen, die beim E-Sport noch anders gehandhabt werden als zum Beispiel im Profifußball."