Dazu muss der Spieler aber seine Bewegungsdaten an die Server von Niantic übermitteln. "Wenn ich das verhindern könnte, würde ich das tun", sagt Regina. Doch auch ohne Pokémon Go habe Google viele Standortdaten von ihr, sagt sie, zum Beispiel über Google Maps. Deshalb hat sich Regina damit arrangiert, dass Niantic haufenweise Metadaten erhebt, mit denen sich ihr Tagesverlauf und ihre Bewegungen sehr genau nachzeichnen ließen. So dürfte es den meisten Spielern gehen – falls sie die Datenschutzrichtlinien von Niantic überhaupt gelesen haben. Pokémon Go ist deshalb für manche ein Zeichen dafür, wie wenig gefragt Datensparsamkeit plötzlich ist, wenn nur die Belohnung stimmt.

Die gesellschaftlichen Auswirkungen

Charizard – 1,73 Meter groß, knapp elf Kilogramm schwer. Aber das das wussten Sie sicher schon. © Niantic

Die plötzliche Popularität des Spiels hat ungeahnte Folgen: So berichtet ein reddit-Nutzer, wie er im Park mit zwei anderen Spielern um drei Uhr morgens von der Polizei überrascht worden sei – und die Beamten nur mit Mühe überzeugen konnte, dass hier keine Drogengeschäfte stattfanden. Am Ende war der Polizist so neugierig, dass er das Spiel selbst installierte. Bessere Werbung für ihre Parallelgesellschaft können sich Niantic und Nintendo nicht erhoffen.

Andere Nutzer hatten weniger friedliche Erlebnisse: In Missouri haben vier Räuber die App benutzt, um arglose Spieler anzulocken und auszurauben. Andere spielen das Spiel, während sie am Steuer ihres Autos sitzen. In solchen Momenten zeigt sich, dass Augmented Reality etwas ist, das viele Menschen noch nicht gelernt haben.

Gleichzeitig ist für Nicht-Eingeweihte in solchen Momenten nicht erkennbar, was die Menschen da mit ihren Smartphones machen, was zu Irritationen führen kann. Und das ist vorsichtig ausgedrückt. Ein Mann namens Omari Akil warnt auf Medium schon, dass merkwürdiges Verhalten in den USA lebensgefährlich sein könnte, insbesondere für Schwarze. Es fällt schwer, das angesichts der jüngsten Vorfälle für reinen Alarmismus zu halten. Je beliebter Augmented-Reality-Anwendungen werden, desto mehr müssen sich Nutzer wie Nicht-Nutzer damit befassen, in welchen Situationen man einander begegnen könnte und wie man miteinander umgehen sollte.

Das Geschäftsmodell

Ob sich die derzeitige Begeisterung in ein dauerhaftes Geschäft verwandelt, ist noch nicht abzusehen. So soll sich die kostenlose App über den Kauf von Fanartikeln und virtueller Münzen finanzieren, mit denen sich Spieler Vorteile verschaffen können. Aber das könnte viele abschrecken: "Ich glaube nicht, dass ich Pokémon Go lange spielen werde", sagt zum Beispiel Sarah aus Brühl. Sollte Nintendo den zahlenden Spielern zu viele Vorteile gewähren, ginge für sie der Spielspaß verloren. "Dann bin ich raus." Bis es soweit ist, will sie sich weiter auf die Suche nach Figuren wie Enton, Raupy und Bisasam begeben. Egal, ob das für Außenstehende vielleicht seltsam aussieht.

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