Eine Führung durch eine Gedenkstätte und dazwischen Besucher mit dem Smartphone auf Pokémon-Jagd – gegen dieses Szenario wehren sich die ersten Einrichtungen in den USA, seit der Hype um die neue Augmented-Reality-App Pokémon Go begonnen hat.

So forderte der Nationalfriedhof Arlington in Washington die Besucher bei Twitter auf, die Suche nach den kleinen Monsterfiguren zu unterlassen, weil es unangemessen sei. Auch das Holocaust-Museum in der US-Hauptstadt appellierte an die Besucher, respektvoll beim Einsatz der Technik zu sein. Man versuche, den Ort aus dem Spiel entfernen zu lassen, sagte ein Sprecher dem Sender NPR.

Bei der App sind Pokémon-Figuren an diversen Orten platziert, ein Spieler muss in der Nähe sein, um sie auf dem Smartphone-Bildschirm zu sehen und fangen zu können. Die Entwickler, Nintendos Pokémon Company und die Spielefirma Niantic Labs, haben aber die Möglichkeit geschaffen, unangemessene Orte zu melden.

Niantic, damals noch als Google-Tochter, hatte im vergangenen Jahr schon ähnlichen Ärger in Deutschland. In dem ebenfalls ortsbasierten Spiel Ingress wurden einige der Portale, um die Nutzer kämpfen müssen, bei ehemaligen Nazi-Konzentrationslagern platziert. Nach Kritik wurden sie schnell aus der Nähe der Gedenkstätten entfernt. Pokémon Go greift auch auf Datenbanken von Ingress zurück.

In Deutschland ist Pokémon Go ab sofort im Play Store von Google für Android-Geräte sowie in Apples App Store für iOS-Geräte verfügbar.

Unterdessen meldete die Polizei der A&M University in Texas auch einen Auffahrunfall im Zusammenhang mit dem Spiel. Ein Fahrer habe seinen Wagen regelwidrig abgestellt, um auszusteigen und ein Pokémon zu fangen, erklärte die Polizei bei Twitter. Ein anderes Auto sei von hinten aufgefahren.

In Amsterdam forderte das Akademisch-medizinische Zentrum (AMC) Besucher auf, beim Spielen von Pokémon Go nicht mehr in nicht-öffentliche Bereiche des Krankenhauses einzudringen. Einige Spieler hätten sich sogar im Keller des Krankenhauses wiedergefunden, wo unter anderem Kleidung desinfiziert wird. "Es gibt tatsächlich ein krankes Pokémon im AMC, aber wir sorgen gut für es. Bitte besucht es nicht", teilte die Klinik über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Beigefügt war ein Bild der Pokémon-Figur Pikachu neben einer Taschentücherbox. Die niederländische Bahnaufsicht ProRail bat Nintendo außerdem um Änderungen an der App, nachdem manche Spieler unwissentlich auf Gleise geraten waren.

Eine erste Aktualisierung von Pokémon Go wurde bereits vorgenommen, um die übermäßigen Zugriffsrechte auf Google-Profile einzuschränken. Am Vortag war herausgekommen, dass das Spiel bei der Anmeldung mit Google den Zugriff auf alle Inhalte der Konten anfragte. Die App-Entwickler von der Firma Niantic Labs erklärten, das gehe auf einen Fehler zurück und es seien nie andere Informationen als Nutzername und E-Mail-Adresse abgerufen worden. Unklar blieb, welche Daten die App von Google überhaupt bekommen hätte. Der Umgang der App mit dem Datenschutz hatte dennoch starke Kritik ausgelöst.