Pokémon? War da nicht was? Richtig, im vergangenen Sommer waren in vielen Elektronikmärkten plötzlich die mobilen Ladegeräte für Handys ausverkauft und in Städten saßen Hunderte Menschen zusammen und warteten darauf, dass virtuelle Monster auf dem Smartphonebildschirm auftauchten. Pokémon Go war für einige Wochen einer der größten Spielehypes des Jahres.

Auf dem Gaming-Festival DreamHack in Leipzig ging es am vergangenen Wochenende ebenfalls um Pokémon, wenn auch nicht auf dem Smartphone. Die Pokémon-Spieler duellierten sich stattdessen im klassischen Sammelkartenspiel und auf dem Nintendo 3DS in den aktuellen Teilen der Serie Sonne und Mond. Der Wettbewerb in Leipzig ist das einzige offizielle Pokémon-Turnier in Deutschland in diesem Jahr.

Deshalb genießen die sogenannten Regional Championships einen hohen Stellenwert in der deutschen Szene. Auch Fevzi Özkan aus Darmstadt will sich beweisen. Der 20-jährige Student ist noch relativ neu im kompetitiven Pokémon-Spielen. Seine Premiere feierte er erst im vergangenen Jahr bei der deutschen Meisterschaft und belegte dort überraschend direkt einen Platz in den Top 15.

 

Jede Aktion ist entscheidend

In seinem Freundeskreis wurde Özkan dafür anfangs belächelt. Schließlich ist er dort der einzige Pokémon-Spieler. Ein erwachsener Mann, der fiktive Monster sammelt und sie nach und nach heranzüchtet, um sie stärker zu machen? Das fanden viele kindisch. "Aber dann haben sie mich im Livestream bei einem Sieger-Interview gesehen", sagt Özkan. Und plötzlich habe sich die Sichtweise verändert.

Die Spielereihe begeistert Özkan schon seit Langem. Er ist wie viele Teilnehmer mit Pokémon groß geworden, spielt auf den tragbaren Nintendo-Konsolen, seit er sieben Jahre alt ist. "Ich liebe die Mindgames in den Wettbewerben", sagt er. "Das Strategische reizt mich total. Pokémon ist dann eben mehr als nur Fangen, jede Aktion ist entscheidend."

Jeder Teilnehmer, Trainer genannt, erstellt vor dem Turnier ein Team, bestehend aus vier bis sechs Pokémon. "Das hat bei mir dieses Mal drei Wochen gedauert – alleine das Brüten eines einzelnen Pokémon verbraucht 20 bis 30 Eier und dauert ja viele Stunden", beschreibt er seine Vorbereitung. Jedes der Monster hat seine eigenen Stärken und Schwächen gegenüber anderen Pokémon-Typen, von denen es mittlerweile mehr als 800 gibt. Als weitere Komponente dürfen die kleinen Monster Gegenstände tragen, die zusätzliche taktische Möglichkeiten eröffnen.

In den Duellen lässt jeder Trainer seine Pokémon gegen die des Gegners antreten. Während eines Matches wird alles protokolliert. Die meisten Spieler verwenden dafür einen Block, notieren die verwendeten Attacken, eingesetzten Pokémon und Abläufe. Gespielt wird immer eins gegen eins, im Modus Best-of-3. Die Notizen helfen in den nächsten Runden weiter; die Spieler können daraus mögliche Taktiken des Gegners herauslesen. Özkan hingegen vertraut auf sein Erinnerungsvermögen.