Einmal wollte ein Insasse GTA V bestellen, USK18, Wenzel hat abgelehnt. Der Verwahrte hat geklagt, Wenzel hat recht behalten. "Seither versuchen sie auch nicht mehr, die falschen Spiele zu beantragen", sagt er. "Die wissen, ich kenne mich aus." Der Justizinspektor spielt selbst viel, auch Diablo und Halo. Das gemeinsame Interesse baue Brücken, sagt er. Beim Vorbeigehen frage er die Insassen nach ihrem aktuellen Spiellevel, oder die Insassen fragen ihn nach den Neuerscheinungen auf dem Markt.

Ihre Spiele bestellen die Verwahrten per Anruf bei Media-Markt, oder bitten Bekannte, für sie auf Amazon einzukaufen. Jedes Spiel muss originalverpackt und eingeschweißt sein, sagt Wenzel, man weiß ja nie, was sonst auf die Disk gebrannt wird. "Sonst haben wir schnell Pornos im Haus", sagt er. Den Gamern kann als Strafe auch die Konsole entzogen werden. Etwa wenn sie sich nicht durchsuchen lassen, wenn sie lautstark schimpfen, Gewalt ankündigen oder Mitarbeiter beleidigen.

Die Verwahrten dürfen ihre Spiele untereinander tauschen oder verschenken. Auch das muss Wenzel absegnen, muss sichergehen, dass kein Abhängigkeitsverhältnis zwischen Insassen entsteht. Wenn er sieht, dass der eine dem anderen ständig Gegenstände verschenke, sei das Grund zur Sorge. Gemeinsam Videospielen tun die Verwahrten nicht. "Das sind alles Einzelgänger", sagt Wenzel.

Vor allem die jüngeren Insassen spielen

Die Männer, die in die Verwahrung kommen, bleiben im Durchschnitt drei bis 15 Jahre, schätzt Wenzel. Einige von ihnen sitzen seit über 15 Jahren hier. Bei der Dauer passiere es, dass auch 60-Jährige aus Langeweile zur Konsole greifen. "Es gibt aber auch viele Ältere, die sagen, warum soll ich mir das noch geben?" Die spielen dann lieber Karten, Schach, Tischtennis oder Billard. "Das Problem ist, dass viele Spiele immer komplexer werden", sagt Wenzel. "Das überfordert die meisten." Erst kürzlich habe sich ein 60-Jähriger eine Xbox bestellt. Einfach, um es auszuprobieren. Er habe es aber nicht verstanden, sagt Wenzel, nun stehe das Gerät unbenutzt in der Ecke.

Herr Paul hat über die Jahre all seine USK16-Spiele durchgespielt. Er holt einen langen Kassenzettel aus einer Dose. 96 Euro. So viel hat er bei Gamestop, dem An- und Verkauf für Videospiele im Zentrum von Straubing, für seine Spiele bekommen. Fast fünfzig hat er verkauft, nur zwei hat er behalten. Das Bond-Spiel Ein Quantum Trost und Skyrim. Letzteres habe schließlich kein richtiges Ende, sagt er. Das werde nicht langweilig. Und Bond sei eben Bond.

Vier Mal im Jahr dürfen die Verwahrten für einen Tag raus. Weil viele von ihnen keine sozialen Kontakte mehr haben, nutzen sie die Zeit zum Einkaufen. Die Gamer gehen zu Media Markt oder Gamestop. 57,13 Euro bekommen sie monatlich als Taschengeld, wenn sie nicht arbeiten. Wer freiwillig zur Arbeitstherapie geht, dessen Budget kann auf bis zu 114,25 Euro angehoben werden. Die Insassen, die freiwillig in einem Unternehmens- oder Eigenbetrieb der JVA arbeiten, bekommen bis zu 250 Euro im Monat. Für den Strom müssen die Männer nur einen kleinen Obolus zahlen. Dem Spielen steht das nicht im Weg.

Im Zimmer von Herrn Paul schwärmt Steffen Wenzel von einem neuen Spiel, das er sich für seine Xbox One bestellt hat. Ja, sagt er Herr Paul zu ihm, Sie können das ja alles spielen, in Freiheit. "Ja", antwortet Wenzel und geht zur Tür. "Da sind wir wieder beim alten Thema."