Facebook will wieder weniger Nachrichten und stattdessen mehr Urlaubsfotos von Freunden in seinem Stream haben. Doch auch wenn Facebook keine Medienplattform sein möchte, hat das Netzwerk ein neues Geschäftsfeld ausgemacht: Es zeigt nun E-Sport. Am heutigen Dienstag beginnt mit dem Dota-2-Turnier in Malaysia eine neue Live-Kooperation zwischen Facebook und dem weltweit größten Turnierveranstalter, der Electronic Sports League (ESL).

In den kommenden Monaten sollen noch weitere Turniere aus der ESL-One-Serie sowie der Counter-Strike-Pro-League exklusiv auf Facebook laufen. Schon im vergangenen Jahr sorgte eine Partnerschaft zwischen beiden Unternehmen dafür, dass auf Facebook mehr Highlights aus den ESL-Turnieren gezeigt wurden. Dank des Deals kann die ESL nach eigenen Angaben inzwischen 25 Millionen Facebook-Nutzer erreichen, ihnen also E-Sport-Inhalte im Newsfeed anzeigen. Ein Konto zum Zugucken ist aber nicht nötig, die Streams funktionieren auch für Gäste, die dann aber nicht kommentieren können.

Ist Facebook damit eine neue Konkurrenz für Twitch.tv und YouTube, den bislang führenden Streamingdiensten für E-Sport? Oder enden die Pläne so wie schon zahlreiche Versuche, E-Sport ins klassische Fernsehen zu bringen: eher kläglich?

Facebook will eine neue E-Sport-Erfahrung liefern

Zunächst zu den Vorteilen. "Wir sind nun bereit, die nächste Stufe zu nehmen, um E-Sport einem größeren Publikum vorzustellen", heißt es in der Pressemitteilung der ESL. Und tatsächlich ist es die potenzielle Reichweite, die eine Zusammenarbeit mit Facebook so attraktiv für den Veranstalter macht: Über das Cross-Posting-Feature des Netzwerks ist es möglich, einzelne Beiträge und Videos über eine Vielzahl von Konten auszuspielen: Den Livestream eines Counter-Strike-Turniers etwa können Spieler, ihre Teams, Kommentatoren, Spieleportale und die ESL selbst über ihre Facebook-Seiten teilen. So können sie Menschen erreichen, die sich zwar prinzipiell für Games interessieren, aber bislang noch nicht mit E-Sport in Kontakt gekommen sind.

Was die Technik angeht, hat Facebook im vergangenen Jahr seine Streamingfunktionen stark erweitert. Mit Facebook Watch gibt es seit Sommer eine neue Kategorie in der App, in der Nutzer exklusive TV-Inhalte und Livestreams finden. Als globales Netzwerk muss sich Facebook zudem keine Gedanken über Bandbreite und genug Server machen – ein Problem, das kleinere lokale Streaminganbieter, die teilweise E-Sport-Turniere übertragen, dagegen nur allzu gut kennen.

Nicht zuletzt ist auch das Wie entscheidend. Anders als Twitch und YouTube überträgt Facebook die Spiele auch in der virtuellen Realität, als 360-Grad-Video. Das lässt sich zwar schnell als Gimmick abstempeln, doch nicht nur Facebook, sondern auch der Dota-2-Entwickler Valve glaubt an das Potenzial der Technik und hat vergangenes Jahr einen Dota-VR-Hub entwickelt, um die Zuschauer näher an die virtuellen Schlachtfelder zu bringen. Bislang sind VR-Brillen noch teuer und deshalb nur für wenige Menschen interessant. Doch Facebooks Pläne, schon bald mit Oculus Go eine günstige Brille für etwa 200 US-Dollar herauszubringen, könnten das ändern.

Nur 5.000 Zuschauer zum Auftakt

All das klingt zwar attraktiv, verlief zum Auftakt des aktuellen Turniers am Dienstag aber eher holprig. Im Reddit-Forum von Dota 2 beklagten zahlreiche Nutzer die Qualität des Streams und falsche Verlinkungen auf der Website der ESL. Die technischen Probleme waren zwar schnell gelöst, doch die Zuschauerzahlen des Livestreams sind überschaubar: Bloß zwischen 3.000 und 5.000 Nutzer schauten die ersten Spiele live. "Ich möchte der ESL dazu gratulieren, den Stream mit den bis dato wenigsten Zuschauern bei einem großen Turnier" zu haben, schreibt ein enttäuschter Fan auf Reddit. Andere guckten statt des offiziellen Streams lieber die Übertragung von Dritten auf Twitch oder schalteten direkt im Spiel selbst ein.

Nun ist erstens nicht klar, ob die Zahl sämtliche Zuschauer, also inklusive Gäste, oder nur die eingeloggten Facebook-Nutzer zählt. Zweitens ist das Turnier in Malaysia. Durch die Zeitverschiebung finden die Spiele zu Zeiten statt, in denen Fans aus großen Märkten wie Europa, den USA und Südamerika entweder schlafen oder auf der Arbeit sind. Die Vorrunde eines Turniers stößt zudem traditionell auf weniger Interesse. Und drittens benötigt auch ein bekannter Veranstalter wie die ESL möglicherweise erst ein wenig Anlauf.