Die nationalen Bemühungen zur Arbeiterorganisation stehen einer immer internationaler werdenden Branche gegenüber. Große Arbeitgeber wie Ubisoft, King oder Riot Games haben Niederlassungen in mehreren Ländern. Auch ein Viertel aller in Deutschland Angestellten der Games-Branche besitzen eine ausländische Staatsbürgerschaft.

Für Jen McLean, Geschäftsführerin der International Game Developers Association, spricht das gegen die Gründung von Gewerkschaften. Zu unterschiedlich seien die Herausforderungen, vor denen Entwickler in den Vereinigten Staaten, Südkorea oder Frankreich stünden. In einem Interview mit dem Branchenmagazin GamesIndustry.biz äußerte sie die Befürchtung, dass starke Gewerkschaften eine abschreckende Wirkung auf nationale Standorte haben könnten. "Die Gesetzeslagen und kulturellen Unterschiede rund um die Welt sind zu komplex. Das erschwert eine effektive Gewerkschaftsarbeit erheblich." Anzunehmen, dass plötzlich alles wunderbar wird, wenn man eine Gewerkschaft gründet, sei zudem wenig sinnvoll.

Von echter Gewerkschaftsarbeit ist die GWU Deutschland noch weit entfernt, bislang ist es lediglich ein loser Zusammenschluss von Programmierern, Grafikern und Storywritern, die große Probleme mit dem Zustand der Spieleindustrie sehen. "Wir sind noch relativ klein, aber die Mitgliederzahl steigt kontinuierlich an. Im Moment arbeiten wir daran, lokale Meetings in deutschen Städten zu organisieren", sagt der Initiator Auto. Das erste offizielle Treffen fand bereits in Köln statt – mit dem Cologne Game Lab und der Spielemesse gamescom eines der wichtigsten Zentren der Spieleindustrie in Deutschland. Abseits davon organisiert sich die Gruppe vor allem online, wo die Mitglieder anonym bleiben können. Viele befürchten negative Konsequenzen, wenn sie sich offen gegen ihre Arbeitgeber stellen.

"Wir sind nicht darauf ausgelegt, von Anfang an eine Gewerkschaft zu sein. Wir wollen Arbeitnehmer zusammenbringen und dann die Bewegung in Richtung einer Gewerkschaft in der Spieleindustrie voranbringen", sagt Auto. Trotzdem beschäftige man sich bereits mit den bürokratischen Hürden und spreche mit Gewerkschaften und Arbeitsrechtsanwälten.

Frankreich ist schon weiter

Einen ersten Vorgeschmack auf die möglichen Auswirkungen einer Videospielgewerkschaft gab es derweil in Frankreich. Im Februar legte knapp die Hälfte der Belegschaft beim Kriegsspielmacher Eugen Systems die Arbeit nieder. Ausschlaggebend war ein Streit um ausbleibende Lohnzahlungen.

Im Gegensatz zu Deutschland oder den Vereinigten Staaten gibt es in Frankreich bereits eine Organisation, die sich gezielt für Arbeitnehmer in der Spieleindustrie einsetzt. Die STJV, das Syndicat des Travailleurs et Travailleuses du Jeu Vidéo, finanzierte den anderthalb Monate andauernden Streik der 24 Entwickler. Das Geld für den Streikfonds kam über Spenden zusammen. Ein ähnliches solidarisches Auffangnetz könnte langfristig auch Game Workers Unite bieten. Trotz ihrer Ausdauer konnte die STJV jedoch keinen direkten Erfolg erzielen. Der Streik endete und der Kampf der Angestellten geht vor Gericht weiter.

Für Felix Falk vom game-Verband habe sich in den vergangenen Jahren schon einiges in der Branche getan: "Sehr viele Games-Unternehmen ergreifen aktiv Maßnahmen gegen Belastungsspitzen und engagieren sich für attraktive Arbeitsbedingungen", sagt er und nennt familienfreundliche Arbeitszeiten oder Unterstützung bei der Gesundheitsvorsorge als Beispiele.

Viele Vertreter und Vertrerinnen von Indie-Studios stehen Lobbyverbänden wie game und IGDA dennoch skeptisch gegenüber. Die Selbstorganisation durch die Arbeiter ist für Auto daher ein wichtiges Grundprinzip. "Wir glauben, dass es für unseren eigenen Kampf wichtig ist, dass wir ihn auch selbst führen." Sprich: ohne die Unterstützung von Verbänden. "Ein Arbeiter kann so viele Rechte haben, wie er will, aber wenn die Mittel und die Macht fehlen, um sie auch durchzusetzen, sind sie bedeutungslos. Deshalb brauchen wir eine Gewerkschaft und darum brauchen wir Game Workers Unite auch in Deutschland."