Computerspiele können künftig in Deutschland eine Altersfreigabe erhalten, auch wenn sie Hakenkreuze oder SS-Runen enthalten. Die Prüfstelle Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK), die für die Prüfung von Computerspielen zuständig ist, kündigte an, ihren Umgang mit verfassungsfeindlichen Symbolen zu verändern. Ähnlich wie in Kinofilmen sollen demnach künftig die verbotenen Propagandamittel gezeigt werden dürfen, wenn es "der Kunst oder der Wissenschaft, der Darstellung von Vorgängen des Zeitgeschehens oder der Geschichte" dient.

Die USK will künftig Computerspiele auch auf ihre "Sozialadäquanz" hin prüfen – diese Ausnahme im Strafgesetzbuch erlaubt verfassungsfeindliche Symbole unter eng definierten Voraussetzungen. Welche Videospiele dazu zählen, muss die USK künftig im Einzelfall entscheiden.

Bislang wurde die Klausel bei Filmen angewandt, nicht aber bei der Prüfung von Videospielen. Hakenkreuze, SS-Runen und vergleichbare Kennzeichen waren in Videospielen in Deutschland verboten. Grundsätzlich soll das auch so bleiben. "Am grundsätzlichen Verbot von Kennzeichen gemäß Paragraf 86 a im Strafgesetzbuch hat sich nichts geändert", erklärte die USK. Es könne aber wie bei Kinofilmen oder TV-Sendungen Ausnahmen von dieser Regel geben.

USK-Geschäftsführerin Elisabeth Secker sagte, "durch die Änderung der Rechtsauffassung können Spiele, die das Zeitgeschehen kritisch aufarbeiten, erstmals mit einem USK-Alterskennzeichen versehen werden. Dies ist bei Filmen schon lange der Fall und auch im Hinblick auf die Kunstfreiheit richtigerweise jetzt auch bei Computer- und Videospielen."

Videospiele wie die bekannte Wolfenstein-Serie, in denen der Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg eine zentrale Rolle spielen, wurden bislang in Deutschland in einer entschärften Version verkauft. Anstelle von Hakenkreuzen bekamen deutsche Spieler dann Fantasiesymbole zu sehen.