Es sind gute Nachrichten für Zombie-Fans: Die neuen Untoten im Remake des Spieleklassikers Resident Evil 2 (PlayStation, Xbox, PC) sind keine Witzfiguren: Fleischfetzen hängen von ihrer aschgrauen Haut herab, tiefe Wunden eitern, sie kriechen und wanken und können mehrere Kugeln und abgeschossene Gliedmaßen wegstecken. Sie sind mindestens so furchteinflößend wie 1998, als das Original erschien und Maßstäbe in Sachen Survival-Horror setzte.

Seit Jahren hatten sich Fans ein Remake des bis dato beliebtesten Teils der Resident-Evil-Serie gewünscht. Bereits 1999 brachten die damals noch unbekannten Angel Studios, die später unter dem Namen Rockstar San Diego Red Dead Redemption entwickelten, das Spiel mit verändertem Gameplay vom PC auf die Spielkonsole Nintendo 64. Fans versuchten ab 2011, in einer eigenen Modifikation namens Resident Evil 2: Reborn das Original auf den neuesten Stand zu bringen, stellten das Projekt aber ein, nachdem das japanische Entwicklerstudio Capcom seine eigene Neuauflage angekündigt hatte.

In der Filmbranche sind Remakes beliebt, um alten Stoff neu aufzuwärmen. 2017 waren unter den 22 kommerziell erfolgreichsten Filmen ganze fünf Remakes. Bei Games war das bislang anders. Offizielle Titel wie das erste Resident Evil für Gamecube (2002), Pirates (2004) und Shadow of the Colossus (2018) sind die Ausnahme. Remakes wie Half Life: Black Mesa und die geplante Neuauflage von System Shock 2 wurden von Fans initiiert.

Neue Augenbrauen für die Mona Lisa

Beim Remake muss einerseits das Spiel von Grund auf neu gebaut werden, andererseits müssen die Levels von damals erkennbar sein und das Spielgefühl auf heutige Standards übertragen werden. Bei Reboots gilt Ähnliches, sie dürfen sich aber weiter vom Original entfernen. Die jüngste Tomb-Raider-Trilogie oder Doom von 2016 nutzen diesen Ansatz.

Derzeit werden Remakes von Remasters überschattet. Anstatt bestehende Spiele neu zu interpretieren und sich gleichzeitig eng am Original zu orientieren, wird Bestehendes bloß optisch aufgewertet. Den Trend dafür setzte Sonys HD-Collection von God of War, die Mitte 2010 in Deutschland erschien. Seitdem erscheinen viele alte, aber auch neue Games als HD-Version: allein dieses Jahr Assassin’s Creed 3 Remastered, Warcraft 3 Reforged und Command & Conquer Remastered. Zwar kommen so auch neue Spieler in den Genuss der Klassiker, weiterentwickelt werden die Serien aber nicht.

Mit diesen optisch aufgepeppten Versionen gehen die Publisher geringe Risiken ein. Schon wegen des Nostalgiefaktors werden sie gekauft. Aber noch viel wichtiger: Sie bewahren das Wesen des Originals. "Das ist besonders dann wichtig, wenn wir von Kunst reden", sagt der Kulturwissenschaftler Christian Huberts. "Wenn ich der Mona Lisa neue Augenbrauen male, mag das eine Anpassung an die ästhetischen Vorlieben der Gegenwart sein, ich zerstöre aber auch das Kunstwerk." Bleibt man in dieser Metapher, stecken Remasters das Gemälde stattdessen in einen schöneren Rahmen, entstauben es und geben ein paar Hintergrundinfos zu Leonardo da Vinci.

Remakes sind für Publisher ein ungleich höheres Risiko, weil die Erwartungshaltung der Fans größer ist. Der Aufwand kann bei einem Remake sogar höher sein als bei einem komplett neuen Spiel. Am neuen Resident Evil 2 haben circa 800 Entwickler über drei Jahre gearbeitet. Zum Vergleich: Am Original waren 50, am siebten Teil circa 600 Menschen beteiligt. Das können sich kleinere Studios nicht leisten. Die Resonanz, etwa auf Twitter, zeigt aber: Der Aufwand lohnt sich für Gamer und die Studios gleichermaßen. Erstere bekommen ihre Lieblingstitel audiovisuell auf dem neuesten Stand mit mehr Inhalten, Publisher entwickeln ihre Marken weiter, verdienen daran eine Menge und sorgen dafür, dass die Branche – anders als bei ständigen Remasters – kreativ bleibt. Und Remakes und Remasters müssen sich auch nicht ausschließen. Parallel zu Resident Evil 2 veröffentlichte Capcom etwa kürzlich das HD-Remaster von Onimusha: Warlords.