Auf einer Skala von 1 bis Fortnite, wie erfolgreich kann ein neues Videospiel kurz nach der Veröffentlichung sein? Der neue Multiplayer-Shooter Apex Legends bricht jedenfalls Rekorde: Nach drei Tagen zählte das Spiel bereits zehn Millionen Spieler – dafür benötigte Fortnite zwei Wochen. Auf der Streamingplattform twitch.tv schauen sich, je nach Tageszeit, zwischen 150.000 und 300.000 Menschen gleichzeitig Streams von Apex Legends an – das sind etwa dreimal so viele wie Fortnite. Schon nächste Woche soll das erste Onlineturnier stattfinden. Preisgeld: 200.000 US-Dollar.

Angesichts dieser Zahlen stellt sich die Frage, ob mit Apex Legends der nächste große Gamingtrend folgt, oder ob die Begeisterung schnell wieder nachlässt. Die Chancen stehen aber gut, dass es mehr ist als ein Hype. Denn Apex Legends bedient fast alles, was unter Spielern und Spielerinnen derzeit angesagt ist. Es zeigt aber auch, wie schnelllebig die Spielebranche inzwischen ist.

Der Erfolg von Apex Legends kommt ebenso überraschend wie das Spiel selbst – denn niemand hatte es erwartet. Es gab keine Werbung, keine Vorankündigungen, keine öffentliche Beta-Version. Das Entwicklerstudio Respawn Entertainment, eine Tochter von Electronic Arts, hatte es am vergangenen Montag für PC, Xbox und PlayStation veröffentlicht. Es ist kostenlos, neudeutsch Free to Play, so wie auch Fortnite.

Battle Royale im "Titanfall"-Universum

Ein solches Stealth Release, wie es in der Branche heißt, ist mit Gefahren verbunden: Unerwartet viele Spieler könnten die Server überlasten, Bugs das Game zum Absturz bringen, Cheater die Partien ruinieren. Im Fall von Apex Legends verlief der Start weitestgehend problemfrei, was sicherlich auch an der Erfahrung der Entwicklerinnen liegt. Respawn steht hinter den beiden erfolgreichen Shootern Titanfall und Titanfall 2. Apex Legends spielt im gleichen Universum wie die Titanfall-Serie, wobei sich die Story-Elemente auf ein Minimum beschränken.

Denn Apex Legends ist ein actiongeladener Shooter, folglich stehen die Gefechte im Vordergrund. Wie Fortnite und PUBG ist Apex Legends ein sogenanntes Battle Royale: An jeder Runde nehmen 60 Spieler und Spielerinnen teil. Sie springen über der Spielwelt per Fallschirm ab und müssen dann möglichst schnell Waffen und Ausrüstung suchen. Nach wenigen Minuten wird die Spielwelt kleiner und zwingt somit alle, sich früher oder später über den Weg zu laufen. Wer als Letztes überlebt, sprich alle Kontrahenten ausschaltet, gewinnt die Runde. Zur Belohnung gibt es nach jeder Partie Punkte, die die Spieler dann wieder in schillernde Rüstungen, bunte Waffen oder Gewinnerposen investieren können.

Mit dem Battle-Royale-Prinzip folgt Apex Legends dem Gaming-Trend der Stunde. Doch es gibt einige Unterschiede, die es von Fortnite und PUBG abgrenzen, den bislang erfolgreichsten Titeln des Genres. Bisher stehen den Spielerinnen acht Spielfiguren zur Auswahl, von denen sie vor jeder Runde eine auswählen müssen. Jede hat besondere Fähigkeiten: Der Fährtenleser Bloodhound beispielsweise kann mit einer Art Sonar erkennen, wenn Gegner und Gegnerinnen in der Nähe sind. Die Heilerin Lifeline versorgt ihr Team mit heilenden Drohnen und der Roboter Pathfinder fliegt mit Seil und Widerhaken schnell von einem Gebäude zum nächsten und über die Köpfe der Gegner hinweg.

Kein Spiel für Einzelkämpfer

Diese unterschiedlichen Charaktere erinnern an den Team-Shooter Overwatch. Sie sorgen für eine zusätzliche, spielerische Komponente, die es in Fortnite in dieser Form nicht gibt. Es geht nicht nur darum, schnell gute Ausrüstung zu finden (auch wenn das immer noch das Wichtigste ist, um möglichst lange zu überleben), sondern auch darum, seine Spezialfähigkeiten clever einzusetzen. Vor allem im Team ergeben sich somit mächtige Kombinationen.

Das ist dann auch der zweite große Unterschied zur Konkurrenz: Apex Legends ist kein Spiel für Einzelkämpfer. 20 Teams aus jeweils drei Spielerinnen kommen zu Beginn jeder Runde zusammen, eine Solo-Option oder Zweier- und Viererteams gibt es nicht. Wer nicht mit Freunden spielt, bekommt am Anfang zwei zufällige Mitspieler zugelost. Die Teammitglieder können sich gegenseitig wiederbeleben, und selbst wenn am Ende bloß einer der drei überlebt, erntet das gesamte Team den Sieg.

Wer Onlinespiele kennt, wird an dieser Stelle mit den Augen rollen. Denn fremde Teamkollegen sind häufig mehr Hürde denn Hilfe: Pubertierende Jungs, die in verschiedenen Sprachen ins Mikrofon pöbeln, sind keine Seltenheit. Apex Legends löst dieses Problem mit einem innovativen Ping-System: Die Spieler und Spielerinnen können das Zielkreuz auf Gegner, Orte oder Ausrüstungsgegenstände richten und diese markieren. Die beiden Mitspieler bekommen diese Markierung dann angezeigt. So simpel das Prinzip, so effektiv ist es: Selbst wer nicht mit den anderen sprechen will, kann trotzdem mit ihnen kommunizieren. Das Ping-System reicht zwar nicht für komplexe Strategien, macht den Kampf in der Arena aber angenehmer.