Die Jury des Deutschen Computerspielpreises 2019 hat das Abenteuerrätsel Trüberbrook der Produktionsfirma bildundtonfabrik als bestes deutsches Spiel ausgezeichnet. Die Entwickler des Spiels, das inmitten einer fiktiven Schwarzwaldidylle spielt, nahmen den mit 110.000 Euro höchstdotierten Preis vor 700 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur in Berlin entgegen, darunter auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und Regierungssprecher Steffen Seibert.

Der Deutsche Computerspielpreis gilt als wichtigste Auszeichnung der Branche in Deutschland und wird vom Verband game gemeinsam mit der Bundesregierung verliehen. Prämiert werden Spiele mit hohem künstlerischen oder pädagogischen Wert, die Verleihungen finden abwechselnd in München und Berlin statt. Haupt- und Sonderjurys aus Spieleexperten, Erziehungswissenschaftlern, Journalisten und Bundestagsabgeordneten vergeben Preise in 13 Kategorien und Preisgelder in Höhe von insgesamt 590.000 Euro.

Mit viel Liebe zum Detail – und Fotogrammetrie

In diesem Jahr ermittelte die 32-köpfige Jury die Gewinner aus 272 Einreichungen. Kriterien sind Spielspaß, Unterhaltung, künstlerische Qualität, Innovationscharakter und pädagogisch-didaktischer Wert. Die 14. Kategorie ist der Publikumspreis – ihn gewann das Rollenspiel Thronebreaker: The Witcher Tales des polnischen Entwicklerstudios CD Projekt Red. Als Bestes Kinderspiel wurde Laika von den Berliner Entwicklern Mad About Pandas gekürt. Bestes Jugendspiel wurde Unforeseen Incidents von Blackwoods Entertainment aus Bochum und Application Systems aus Heidelberg. 

Auch Spiele, die einen ernsten Hintergrund haben und nicht primär der Unterhaltung dienen, wurden bedacht. In der Kategorie Bestes Serious Game holte sich die Hamburger Spieleschmiede Daedalic Entertainment den Preis mit State of Mind, einem dystopischen Game, in dem die Handlung in einem futuristischen Berlin im Jahr 2048 angesiedelt ist, in der es aufgrund der digitaler Überwachung keine Privatsphäre mehr gibt. Bestes internationales Spiel wurde das Action-Adventure God of War von Sony Interactive Entertainment, das sich Teilen der nordischen Mythologie bedient. 

Trüberbrook erhielt zudem den Preis für die beste Inszenierung. Die Handlung des Adventure-Spiels entführt in eine deutsche Provinzidylle im Jahr 1967. Den amerikanischen Studenten Hans Tannhauser verschlägt es durch ein Preisausschreiben in das fiktive Trüberbrook. Nachdem ihm eine Abhandlung über Quantenphysik gestohlen wird und er auf die Paläoanthropologin Gretchen Lemke stößt, geht das Abenteuer los. Doch nicht nur die kuriose Geschichte zeichnet das Spiel aus: Die Entwickler der bildundtonfabrik modellierten die Hintergründe mit viel Liebe zum Detail sämtlich von Hand und fotografierten sie anschließend ab. Mithilfe der Fotogrammetrie wurden die Szenen in dreidimensionale Ansichten umgewandelt, die die außergewöhnliche Atmosphäre des Spiels ausmachen.

"Nicht auf die schiefe Bahn durch Computerspiele"

Während der Verleihung verkündete Bundesverkehrsminister Scheuer, dass die Bundesregierung die Entwicklung von Computerspielen Made in Germany ab sofort fördern will. Demnach stellt das Ministerium dafür in zwei Stufen 50 Millionen Euro zur Verfügung. "Wir freuen uns auf eine rege Resonanz der Computerspielgemeinde", sagte Scheuer, während die Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär, an den Koalitionsvertrag erinnerte: "Wir haben festgelegt, die Games-Branche zu stärken, sagte die CSU-Politikerin.

Unter den Festrednern war auch SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil, der die Videospiel-Gemeinschaft aufforderte, sich stärker in politische Debatten einzumischen. Zugleich bekannte er sich als Gamer: "Ich muss immer erklären, dass man durch Computerspiele nicht auf die schiefe Bahn gerät", sagte er und fügte hinzu: Tatsächlich verdiene die deutsche Spielszene mehr Wertschätzung.

Korrekturhinweis: In einer vorherigen Version hieß es, das Spiel "God of War" spiele in der griechischen Antike. Tatsächlich basiert es auf Teilen der nordischen Mythologie. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.