Steam ist für PC-Games, was Netflix für Streaming oder Instagram für Fotos ist: Es geht auch ohne, aber es ist schwierig, wenn man mitreden will. Vom hollywoodreifen Egoshooter hin zum Indie-Puzzle-Game – Steam hat fast alles im Programm. Und wenn es ein Spiel mal nicht gibt, dauert es nicht lange, bis in einschlägigen Foren gefragt wird: Wieso gibt's das nicht auf Steam? Kommt das noch?

Die Fragen stellten Spielerinnen und Spieler zuletzt häufiger. Das Aufbauspiel Anno 1800. Das Actionspiel The Division 2. Der Shooter Borderlands 3: All diese aktuellen und kommenden Topgames sind nicht auf Steam verfügbar, sondern teilweise exklusiv im Epic Games Store. Die Macher des erfolgreichen Onlinegames Fortnite haben ihn im Dezember gestartet, um Steam Konkurrenz zu machen.

Damit das gelingt, muss Epic viel Geld investieren. Das ist der einfache Teil. Schwieriger ist es, die Gunst der Spielerinnen und Spieler zu gewinnen. Denn die sind vom Epic Games Store noch lange nicht überzeugt. Das liegt nicht nur an den Inhalten, sondern hat auch etwas mit Gewöhnung zu tun. Und der Angst, dass etwas Ähnliches wie der einstige Konsolenkrieg – die Auseinandersetzung darüber, welche Spiele auf welcher Konsole laufen – nun auch ihre PCs erreicht.

Steam ist einer der profitabelsten Gamingdienste

2003 brachte das amerikanische Unternehmen Valve die erste Version von Steam heraus. Heute ist die Gamesplattform die größte weltweit: 47 Millionen Menschen nutzen den Dienst laut Valve täglich. Nahezu jeder, der ein PC-Spiel entwickelt, vom großen Studio bis zum Soloprogrammierer, kann seine Titel über Steam anbieten. Die Plattform sorgt dafür, dass Spielerinnen und Spieler die Games finden, kaufen und downloaden können und behält dafür einen Teil des Verkaufspreises für sich. Die regelmäßigen "Steam Sales", bei denen Games stark vergünstigt verkauft werden, sind so etwas wie der Black Friday der Spielebranche, ein Highlight für Schnäppchenjäger.

Steam ist erfolgreich, das ist sicher. Wie erfolgreich? Gute Frage. Als privates Unternehmen muss Valve keine Bilanzen veröffentlichen. Schätzungen gehen, gemessen an den verkauften Games, von einem Jahresumsatz zwischen drei und fünf Milliarden US-Dollar aus. Der Gewinn dürfte bei nur etwa 400 Mitarbeitern (zum Vergleich: Apple hat 130.000) entsprechend hoch sein. Vor einigen Jahren sagte Gründer Gabe Newell, Valve sei das profitabelste US-Unternehmen, was den Umsatz pro Mitarbeiterin angehe. Überprüfen lässt sich das kaum, aber es sagt etwas über Valves Selbstverständnis aus.

Andere Unternehmen möchten die Dominanz von Steam gerne brechen. Und so gibt es seit Jahren weitere Plattformen, auf denen teils exklusive Games zu finden sind. Die beliebte Fußballvideospielreihe Fifa von Electronic Arts läuft auf dem PC nur in Verbindung mit der eigenen Software Origin. Für Overwatch und World of Warcraft benötigt es battle.net vom Spielhersteller Blizzard. Ubisoft hat Uplay. Für Indiespiele gibt es itch.io, gog.com, den Humble Store oder den neuen Dienst der Chat-Software Discord. Ernsthafte Konkurrenten für Steam sind sie nicht.

Das ändert sich jetzt. Epic Games will in seinem Store nicht nur eigene Titel wie Fortnite exklusiv anbieten, sondern künftig auch vermehrt Games von Dritten. Seit ihrem Start im Dezember 2018 konnte die Plattform viele Millionen Kunden gewinnen, wenn auch mit einem Trick: Der Epic Games Store ist über die gleiche Software wie Fortnite zu erreichen – und das spielen inzwischen 250 Millionen Menschen. Der Erfolg von Fortnite verschaffte Epic somit einen Startvorteil gegenüber anderen Vertriebsplattformen.