Um all diese Neukunden dann auch zu halten, kündigte Epic im Januar einen Coup an: Zwei Wochen vor der Veröffentlichung hieß es, der Shooter Metro Exodus werde nicht wie ursprünglich gedacht auf Steam erscheinen, sondern im Epic Games Store, und zwar exklusiv für ein Jahr. Bei Steam kam diese Ankündigung nicht gut an. Auf der Seite, auf der das Spiel schon seit Monaten bereits vorbestellt werden konnte, erklärte das Unternehmen beleidigt: "Wir sind der Meinung, dass die Entscheidung, das Spiel zu entfernen, Steam-Kunden gegenüber nicht gerecht ist, insbesondere nach der langen Vorverkaufsphase."

Auch die Spielenden waren verärgert. Viele ließen ihren Unmut an den Entwicklern von Metro Exodus aus, bewerteten dessen andere Spiele auf Steam schlecht und kritisierten das Vorgehen von Epic Games. "Wer das Spiel kauft, unterstützt einen Anti-Gamer-Publisher", heißt es in einer Rezension, weil man gezwungen werde, eine deutlich schlechtere Plattform zu nutzen.

Epic-Geschäftsführer Tim Sweeney gab inzwischen zu, dass die Sache nicht ideal verlaufen sei. Die Verhandlungen mit den Entwicklern von Metro Exodus haben länger gedauert als gedacht. In Zukunft wolle man solche exklusiven Deals früher kommunizieren. In einem Interview mit Game Informer im Dezember sagte Sweeney, man werde den Epic Games Store zunächst mit einigen ausgewählten Spielen starten und sich dann nach und nach für Entwickler öffnen. Allerdings soll es keine "Schrottspiele" geben – ein Seitenhieb in Richtung Steam, das zuletzt aufgrund seiner laxen Aufnahmekriterien auch für schwulen- und frauenfeindliche Spiele immer wieder in der Kritik stand.

Um die Spielestudios zu locken, hat Epic derzeit vor allem ein gutes Argument. Wenn sie ein Spiel im Epic Games Stores verkaufen wollen, müssen sie nur 12 Prozent des Umsatzes abgeben. Bei Steam sind es seit jeher 30 Prozent. Die zusätzliche Lizenzgebühr von fünf Prozent für die von Epic entwickelte Unreal-Engine, die viele Spiele verwenden, entfällt im Epic Store ebenfalls. Anders gesagt: Wer sein Game bei Epic anbietet, verdient fast 20 Prozent mehr Geld als bei Steam.

Inzwischen sei der Markt mit digitaler Software gewachsen, die Entwicklerinnen und Entwickler sähen aber nicht mehr Geld. Seinen Berechnungen zufolge würden Anbieter wie Steam zwischen 300 und 400 Prozent der Kosten, die sie ausgeben, wieder einnehmen. Epic wolle der Spielebranche einen besseren, einen gesunden Deal anbieten.

Geld gegen Marktdominanz

Um sich Exklusivtitel wie Metro Exodus oder Borderlands 3 zu sichern, dürfte Epic Games viel bezahlt haben. Schließlich muss der Deal für die Studios so attraktiv gewesen sein, dass es sich auch dann lohnt, wenn sich das Spiel weniger verkauft, weil es nicht bei Steam erhältlich ist. Epic lässt also erst einmal die Brieftasche sprechen, die vor allem dank des Erfolgs von Fortnite in den vergangen Jahren gut gefüllt ist.

Ungerecht ist dieses Vorgehen, anders als einige Spieler und Steam es nun beklagen, nicht. So selbstbewusst wie Steam die Regeln für den Vertrieb von PC-Games seit 15 Jahren bestimmt, versucht sich nun Epic auf die Computer der Nutzerinnen und Nutzer zu zwängen. Mit Geld gegen Steams Marktdominanz.