In der Branche wird die Entwicklung zaghaft positiv gesehen, Konkurrenz kann schließlich nicht schaden. Gerade kleinere Spielestudios finden die 30 Prozent Provision, die Steam für sich einbehält, schon lange als viel zu hoch, wie eine Umfrage auf der diesjährigen Games Developers Conference zeigte. Und sind sie eben ein notwendiges Übel – denn nicht auf der mächtigen Plattform aufzutauchen, mögen sich die meisten auch nicht leisten. "Mit den 18 Prozent Unterschied zwischen Epic und Steam hätten wir schon unser nächstes Spiel vorfinanzieren können", sagte die Indieentwicklerin Emma Maassen im Gespräch mit Motherboard. Vorausgesetzt, es hätte sich auch im Epic Games Store ähnlich gut verkauft.

Das ist die Crux. Um die PC-Gamer dauerhaft in den Epic Games Store zu locken, benötigt es mehr als einige exklusive Blockbuster und alle zwei Wochen ein älteres Game zum kostenlosen Download. Die Gesamterfahrung muss stimmen, und da hapert es derzeit noch, wie viele Gamer bemängeln: Ein Vergleich von Gamesanbietern zeigt, dass es Epic nicht nur an verfügbaren Titeln, sondern auch an Features wie Achievements, Wunschlisten und Cloudsaves mangelt. Dazu kommen Meldungen über Sicherheitslücken und mutmaßlich mangelnden Datenschutz. Kurz: Der Epic Games Store ist zurzeit noch stark verbesserungswürdig im Vergleich zum etablierten Ökosystem von Steam.

Die Angst vor der Fragmentierung

Doch vielleicht sind es gar nicht die mangelnden Features, die den Spielerinnen und Spielern aufstoßen. Vielleicht rührt ihre Abneigung gegenüber Epic eher aus der Angst, dass sich der Markt für PC-Games weiter fragmentieren könnte. Schon jetzt laufen auf den Computern von Gamern mehrere Dienste, die allesamt eigene Konten und Software benötigen. Mit dem Epic Game Store kommt nun noch ein weiterer dazu. Und zwar einer, um den man kaum herumkommen wird – sollte die Firma sich weiter exklusive Blockbuster sichern.

Es wird deshalb befürchtet, PC-Games könnten die gleiche Entwicklung durchmachen wie Konsolenspiele, die ja seit jeher häufig nur für bestimmte Systeme verfügbar waren und bei denen Hersteller um die Gunst von Entwicklern buhlten. Auch im Videostreamingbereich zeigt sich eine solche Fragmentierung: Netflix, Amazon und Sky produzieren längst eigene Inhalte. Bei Podcasts beginnt diese Entwicklung ebenfalls.

Obwohl es schon länger andere Vertriebsplattformen gibt, schien der PC vor diesem Szenario sicher zu sein. Zu groß war Steam, zu allgegenwärtig und viele Spielende glauben immer noch, dass Steam das einzig wahre, das ultimative PC-Gaming-Erlebnis bietet. Dabei waren auch Valve und Steam nicht frei von Skandalen.

Mit Epic versucht nun ein Anbieter, die Vorherrschaft aufzubrechen. Der Weg zur Akzeptanz wird weiterhin schwierig sein bei einem Publikum, das Veränderungen scheut und Außenseiter argwöhnisch betrachtet. Epic wird zeigen müssen, das sie mittelfristig ein Ökosystem etablieren, das nicht nur als "der Store von Fortnite" bekannt ist, sondern wenn schon nicht die erste, dann zumindest als die zweite Adresse für Spieledownloads.