Netflix macht jetzt auch Videospiele – und zwar passend zu den eigenen Serien: Zur dritten Staffel von "Stranger Things" brachte der Streamingdienst ein Game heraus. Zugegeben: Es war ziemlich schlecht. Aber es gibt noch so viel gutes Serienmaterial da draußen, das ginge bei anderen Shows bestimmt besser. Das ZEIT-ONLINE-Team hätte da jedenfalls schon ein paar Vorschläge.

"Scrubs" (NBC, 2001)

Von Chefarzt Perry Cox schikaniert werden, mit den Serienfiguren J.D. und Turk rumalbern oder dem Hausmeister bei einem seiner Streiche helfen: Die Krankenhaus-Sitcom Scrubs liefert ausreichend Stoff für ein solides Computerspiel. Allerdings nicht so ein lahmes Puzzlegame, wie es das bereits fürs Smartphone gibt, sondern für ein echtes Adventure. Spielende könnten dabei einen Charakter erstellen und ihm helfen, das erste Jahr im Sacred-Heart-Krankenhaus hinter sich zu bringen. Aufgaben gäbe es von den bekannten Gesichtern der Serie: Ein Rededuell mit Dr. Cox gewinnen (was natürlich nahezu unlösbar ist) oder extraheißen Tee für den Krankenhausanwalt Ted holen. Am wichtigsten sind natürlich die Patientinnen und Patienten: Zu ihnen baut man Beziehungen auf. Aber Vorsicht: Eine falsche Entscheidung oder ein gescheiterter Auftrag können für sie fatale Konsequenzen haben. Wer das dann den Angehörigen vermittelt, sollte klar sein. Doch Obacht, sterben einem zu viele weg, heißt es: "Game over, du Flachzange!" Tim Kröplin

"Gilmore Girls" (Time Warner 2000, Netflix 2016)

Als großer Fan der Gilmore Girls war ich sehr traurig, als die Serie um die alleinerziehende Mutter Lorelai und ihre kluge Tochter Rory 2007 eingestellt wurde. Nach jahrelangem Hoffen auf eine Fortsetzung publizierte Netflix 2016 endlich vier neue Folgen – nur um Fans wie mich mit einem riesigen Cliffhanger zurückzulassen!

Höchste Zeit also für ein Update aus Stars Hollow. Und was würde sich da besser anbieten als ein schönes Open-World-Spiel, in dem man die Welt der Gilmore Girls frei erkunden kann? Am besten ohne große Handlung wie die Serie selbst: Ich könnte als Spielerin mit Tanzstudio-Inhaberin Miss Patty den neuesten Tratsch austauschen, Kaffee bei Luke's (und mit Luke) trinken, beim Townhallmeeting gegen Taylors neuesten Vorschlag zur Touristenakquise stimmen und als Special Feature Lorelais Mutter Emily in Nantucket besuchen. Vor allem aber könnte ich mit Lorelai und Rory selbst schnacken und endlich herausfinden, wie es bei ihnen so weitergegangen ist. Und vielleicht sogar mit ihnen durch Stars Hollow flanieren. Das wäre doch was. Lisa Hegemann

"Dark" (Netflix, 2017)

In einer fiktiven deutschen Kleinstadt verschwinden zwei Kinder – darum geht es in der ersten deutschen Netflix-Produktion Dark. Diese Geschichte eignet sich natürlich hervorragend für ein Game: Darin müssten Spielerinnen und Spieler die Kinder wiederfinden.

Im Stil eines klassischen Point-and-Click-Adventures entscheiden sich Gamer, ob sie aus der Perspektive von Serienprotagonist Jonas Kahnwald oder der Schülerin Martha Nielsen spielen. Diese Entscheidung zieht sich durch das gesamte Videospiel und beeinflusst den Verlauf der Geschichte: Will man wirklich alles wissen, muss man es mit beiden Charakteren einmal durchspielen. Wie in der Serie wechselt man durch den geheimnisvollen Tunnel im Wald zwischen den Zeitebenen der Fünfzigerjahre, 1986 und 2019. Nur so lassen sich einzelne Rätsel lösen, angelehnt an Spieleklassiker wie Day of the Tentacle vom legendären Adventure-Studio LucasArts. Am Ende müssen die Spielerinnen dann herausfinden, wer oder was für den Tod der Kinder verantwortlich ist. Und natürlich, wie der verflixte Zeitkanal geschlossen werden kann. Milan Ziebula

"Community" (NBC, 2009)

In der US-amerikanischen Serie Community büffeln sieben Studentinnen und Studenten zusammen im fiktiven Greendale Community College. Das Videospiel würde man aus der Perspektive von Abed steuern, dem klugen Filmstudenten und Fernsehgeek. Er muss im Spiel selbst ein Spiel produzieren. Das ist so meta, wie es bei Geeks wie Abed eben sein muss.

Die Handlung: Er will einen Programmierwettbewerb gewinnen und verliert sich immer weiter in seiner Videospielwelt. Deshalb wollen ihn die anderen Serienfiguren aus der Lerngruppe wieder in die Realität zurückholen. Doch das geht nur, wenn sie sein Videospiel durchspielen. Das ist simpel gehalten, besteht aber aus vielen verschiedenen Genres: So durchspielen Gamerinnen einen Part als Rollenspiel im klassischen Pixel-Look, in dem man den alltäglichen Unikram erledigt. Später folgen ein Adventure-Teil mit Rätseln, ein Shooter-Abschnitt (mit Referenzen an die Paintballfolge von Community) und Beat-'em-up-Level. Anspielungen an Klassiker wie Day of the Tentacle, Wolfenstein oder The Legend of Zelda sind dabei ein Muss! Wenn die Originalbesetzung noch einsprechen würde, wäre das ein Traum. Lisa Hölzke

"Fargo" (FX, 2014)

Bis heute zerbreche ich mir den Kopf, welche der drei Fargo-Staffeln denn nun die beste ist. Durch ein längst überfälliges Action-Adventure zur amerikanischen Krimiserie würde mir die Entscheidung vielleicht bald leichter fallen. Jedes der drei Kapitel orientiert sich dabei an der TV-Vorlage. Zu Beginn entscheidet man sich, ob man als Ermittler oder Gangster spielen will: Ich lege mich als Polizist Lou Solverson mit der Gerhardt-Familie an oder cruise als Mike Milligan mit den Kitchen-Brüdern lässig durch die Gegend. Alternativ kann man sich auch eine komplett neue Figur erstellen und erlebt die Geschichte aus einem anderen Blickwinkel.

Das Game spielt man aus der Schulterperspektive in Form eines Action-Adventures; es ist streng linear und bietet keine offene Welt. Denn das würde die Story immer wieder unterbrechen, und die soll genauso intensiv wie in der Vorlage sein. Tatorte müssen (ähnlich wie im Open-World-Game LA: Noire) akribisch untersucht oder Verbrechen begangen werden – bis es zum Showdown in der namensgebenden Stadt Fargo kommt. Was eine fliegende Untertasse und Rentiere damit zu tun haben, verrate ich aber noch nicht. Wenn das Projekt keiner in die Hand nimmt, muss ich's bald selbst programmieren. Denis Gießler

"Shopping Queen" (Constantin Entertainment, 2012)

Eines gleich vorweg: Ich bin keine Gamerin. Aber ich liebe die Realitysendung Shopping Queen mit Guido Maria Kretschmer auf Vox. Woche für Woche wetteifern fünf Spielerinnen aus wechselnden Städten um die Kaufkrone. In vier Stunden und mit 500 Euro Budget präsentieren sie "Ugly Sneaker" oder posen "Perfekt in Pastell". Und freitags wird die Wochensiegerin gekürt. Das wäre sicher auch als Spiel unterhaltsam.

Ich könnte mir meinen eigenen Avatar erstellen, egal ob nach echtem Vorbild oder nicht. In zwei Stunden (online sind die Wege kurz) und mit 500 virtuellen Euro shoppt man sich den perfekten Look bei realen Onlinehändlern zusammen. Haare und Make-up gibt es beim virtuellen Stylisten. Ähnlich wie in der Simulation Sims, nur ohne Häuser bauen und füttern natürlich. Freitags voten dann alle Spielerinnen und Spieler den Look der Woche. Für den Sieger oder die Siegerin gibt es ein Shopping-Queen-Krönchen im Profil. Wer die meisten Krönchen innerhalb einer bestimmten Zeit hat, qualifiziert sich für eine reale TV-Sendung. Und ein Geschäftsmodell gäbe es auch: Finanzieren würde sich die Entwicklung problemlos durch Kooperationen mit großen Onlineshops. Die könnten mit den Siegerlooks werben, die wiederum andere vielleicht im realen Leben kaufen wollen würden. Vielleicht sollte ich mir die Rechte an der Idee sichern und damit die Queen der Shopping Queens werden?! Ulrike Rosina

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