Nach Kritik und Protesten hat der Computerspielehersteller Blizzard die Bestrafung des professionellen Gamers Ng Wai "Blitzchung" Chung zwar nicht aufgehoben, sie aber zumindest gemildert. Blitzchung hatte sich nach einem Sieg in einem E-Sport-Turnier zu den Protesten in seiner Heimat Hongkong geäußert. In Mandarin hatte er bei den Asia Pacific Hearthstone Grandmasters am 6. Oktober gesagt: "Befreit Hongkong, die Revolution unserer Zeit."

Daraufhin hatte ihn der Veranstalter, das Unternehmen Blizzard, ein Jahr lang für Turniere gesperrt und ihm sein Preisgeld und seinen erspielten Rang als Großmeister aberkannt. Außerdem wurden die beiden Kommentatoren gefeuert. Sie hatten ihre Zustimmung dadurch geäußert, dass sie sich während der Aussage unter dem Tisch versteckt hatten.

Aus Protest kündigten viele Spieler anschließend an, ihre Accounts zu löschen. Der Hashtag #Blizzardboycott wurde bei Twitter zu einem Trend und einige US-Politiker wie der Senator Ron Wyden äußerten sich kritisch. Blizzard erniedrige sich, um China zu gefallen, twitterte er. Kein US-Unternehmen solle Meinungen zensieren, nur um schnelles Geld zu machen.

Seine Entscheidung macht Blizzard nun zumindest teilweise rückgängig. Blizzard-Präsident J. Allen Brack erklärte die Haltung seines Unternehmens in einem schriftlichen Statement. Demnach habe Blitzchung bewusst die Regeln der Turnierübertragung gebrochen, als er seine politische Äußerung machte. Der offizielle Livestream solle allein dem Turnier dienen, denn das sei ein Ort, an dem sich jeder willkommen fühlen solle, daher wolle man dort allein auf das Spiel fokussiert bleiben, so Brack. Daher habe man auch die beiden Interviewer bestraft.

Nur noch sechs Monate Sperre

Kritiker hatten Blizzard vorgeworfen, die Firma sei vor China eingeknickt. Das Land ist ein wichtiger Markt für das Unternehmen. Außerdem hält der chinesische Konzern Tencent fünf Prozent der Blizzard-Aktien. Und in einem Statement, das Blizzard nach dem Bann auf Chinesisch verbreitet hatte, hieß es, man wolle so die nationale Würde Chinas schützen.

Das Unternehmen wäre auch nicht das erste, dass aus Sorge vor finanziellen Einbußen versucht, Ärger mit der chinesischen Regierung zu vermeiden. Gerade erst hatte Apple eine App aus seinem Angebot entfernt, die die Protestierenden in Hongkong nutzen.

Brack widersprach dem nun. Die konkrete politische Äußerung sei nicht der Grund der Sperre gewesen, schrieb der Blizzard-Präsident. Man habe nicht versucht, seine Meinung zu unterdrücken. Dort, wo er sie geäußert habe, sei sie aber fehl am Platz gewesen.

Man habe aber eingesehen, dass man vorschnell gehandelt habe. Blitzchung habe im Turnier fair gespielt, doch gehöre zu einem fairen Turnier auch faires Verhalten vor und nach dem Spiel. Er soll als Kompromiss daher nun sein Preisgeld erhalten und auch sein Rang als Großmeister der Spielserie werde ihm nicht aberkannt. Nach einer reduzierten Sperre von sechs Monaten könne er mit diesem Rang wieder antreten, wenn er das wolle. Auch die Moderatoren dürften nach sechs Monaten wieder Turniere moderieren.