Steve Jobs mochte vielleicht keine Games, aber er liebte den Erfolg. So ließe sich erklären, weshalb der Apple-Gründer einerseits dem langjährigen Disney-Geschäftsführer Robert Iger erzählte, dass er lediglich Comics noch mehr hasse als Videospiele, und andererseits auf der Bühne stand und stolz erklärte, weshalb Apple dank des iPhones und iPod Touch ein wichtiger Player in der Gamesbranche sei. Das war 2010.

Gut zehn Jahre später hat Apple diese Stellung gefestigt. Und auch darüber hinaus werden mobile Spiele, also solche, die man nicht auf dem heimischen PC oder einer Konsole, sondern eben auf mobilen Geräten unterwegs spielen kann, immer populärer. Laut einer jüngsten Marktanalyse von Nielsen Superdata haben diese Games inzwischen einen Marktanteil von knapp 60 Prozent. Bei den Umsätzen legten sie im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozent zu, während Konsolen- und PC-Spiele verloren. In Deutschland überholten im vergangenen Jahr laut dem Jahresreport der Gamesbranche Smartphones erstmals den PC als beliebteste Spieleplattform.

Es ist also ein guter Zeitpunkt, um neue mobile Gamingdienste zu starten. Und so ist es nur folgerichtig, dass Apple Mitte September seinen Spieledienst Arcade einführte, in dem Apple-Kundinnen und -Kunden ausgewählte Videospiele im monatlichen Abo spielen können – auf dem Mac und Apple TV, aber eben auch auf iPhones und iPads. Google legte Mitte November nach mit einem neuen Gamingdienst, der zumindest technisch beeindruckend ist: Stadia bringt Topspiele per Streaming direkt aus der Cloud aufs Gerät – ohne Konsole, ohne PC, ohne vorherigen Download.

Ein Abomodell für Spiele, ein Cloud-Gaming-Dienst: Apple Arcade und Google Stadia sind grundlegend verschieden. Doch beide Angebote zeigen, wie sich die Machtverhältnisse der Gamesbranche verschoben haben – und wer in Zukunft bestimmen könnte, wie, wo und was die Menschen spielen.

Premium-Games ohne In-App-Einkäufe

Arcade ist Apples bislang größter Vorstoß in den Gamingbereich. Der Dienst kann direkt aus dem App-Store heraus gestartet werden und kostet 4,99 Euro monatlich. Der erste Monat ist kostenlos.  Dafür bekommen Abonnentinnen rund 100 Spiele, die auf allen Apple-Geräten ab iOS 13 oder macOS Catalina laufen. Speicherstände können über Geräte hinweg synchronisiert werden. Alle Spiele sind auf die Bedienung per Berührung auf dem Bildschirm optimiert – manche funktionieren aber auch mit einem Controller, wenn man diesen mit seinem Apple-Gerät verbindet.

Arcades Aboangebot umfasst Puzzle- und Rätselspiele, liebevoll gezeichnete Adventures wie Jenny LeClue, die absurde Golfsimulation What the Golf?, das rasante Arcade-Spiel Sayonara Wild Hearts und den düsteren Action-Slasher Bleak Swords. Die Qualität der Spiele ist fast durchgängig gut, regelmäßig kommen neue hinzu. Und so wächst auch das Angebot an familienfreundlichen Spielen stetig.

Apple Arcade bietet mehr als 100 Games im Abo – auf Apple-Geräten. © Screenshot Apple Arcade

Neu sind solche Spieleabos sind nicht, schon längst gibt es den Xbox Game Pass oder EA Access. Aber Apple spricht mit Arcade nun jene Spieler an, die nicht erst die Konsole anschalten und stundenlang Games herunterladen wollen. Oder solche, die sich nicht durch Tausende Games im App-Store wühlen mögen, um Neuerscheinungen zu finden, die ihrem Geschmack entsprechen. Die Kuration garantiert eine gleichbleibende Qualität, und die Anzahl an verfügbaren Inhalten sorgt dafür, das für jeden etwas dabei sein dürfte. Apples Versprechen: Ihr gebt uns fünf Euro im Monat und wir sagen euch, was ihr spielen wollt.

Auch für die Spielebranche ist Arcade interessant. Erstens gibt der Dienst den Entwicklerstudios die Möglichkeit, sich von der Masse abzuheben und entdeckt zu werden. Gerade in App Stores, deren Bestenlisten von Dauerbrennern wie Candy Crush dominiert werden, ist das schwierig. Erst recht, wenn ein Spiel nicht den gängigen Trends und Mechaniken folgt.

Ein zweiter wichtiger Punkt: In Apples Arcade gibt es weder Werbung noch Mikrotransaktionen. Das ist im Segment mobiler Spiele eine Revolution. Denn deren Geschäftsmodelle basieren meistens darauf, dass Spielerinnen innerhalb des Games bezahlen – etwa, um schneller voranzukommen oder um zusätzliche Funktionen freizuschalten. Oder aber sie bekommen Werbung angezeigt. Die meisten erfolgreichen Games in den App Stores von iOS und Android funktionieren deshalb nach dem sogenannten Freemium-Modell: Sie lassen sich kostenlos installieren, fordern aber zu In-Game-Käufen auf, ohne die das Spiel irgendwann langweilig bis unerträglich wird. Für Anbieter, die sich dagegen entscheiden, ihre Games kostenpflichtig anzubieten, gelten solche Freemium-Modelle als notwendiges Übel.